Aktualisiert 02.09.2015 09:18

Connyland

Chef testet Pannen-Achterbahn selbst

Der einzige Schweizer Rollercoaster machte keinen Wank mehr. Nach der Reparatur muss der Connyland-Chef die erste Runde fahren.

von
Roland Schäfli

Hier fährt der Chef noch persönlich mit: Robert Gasser donnert mit der Connyland-Bahn ins Ungewisse. (Video: Roland Schäfli/Michael Fischer)

Missliche Lage für die Passagiere der «Cobra»: Zum ersten Mal seit der Inbetriebnahme vor fünf Jahren blieben die Wagen am Sonntag hängen und die Passagiere mussten aus luftiger Höhe gerettet werden. Danach stand alles still – mit Ausnahme des technischen Personals. Das musste den Fehler finden, um sicherzustellen, dass der Betrieb am Montag (fast) pünktlich wieder aufgenommen werden konnte.

Kleine Ursache – grosse Wirkung

Die Ursache war ein durchgebranntes Relais, das nicht am Lager war. Lieferzeit: vier Tage. Doch der technische Leiter des Ostschweizer Vergnügungsparks, Michael Amann, konnte sich auf seine guten Kontakte zur ABB verlassen. Genau um Mittag wurde ihm aus Schaffhausen ein kleines Paket überbracht. Und nur eine halbe Stunde später war das faustgrosse, fehlerhafte, nur rund 100 Franken teure Teil ausgewechselt. Die Zeit bis zur ersten Fahrt war jedoch eine Zitterpartie: «Wird sich die einzige Achterbahn der Schweiz fortbewegen? », fragte man sich.

Bahn stellte sich selbst ab

Unter der Anlage der «Cobra», die im Stil eines antiken Tempels gehalten ist, führt eine Tür in das Innere des Rollercoasters. Hier steht, verborgen vor den Augen des Publikums, die ganze per Software gesteuerte Technik. «Die Bahn hat genau richtig funktioniert, indem sie stoppte», stellt Amann fest. Das System überwacht sich selbst, Sensoren an den Gleisen übermitteln Daten. Ein Mensch könnte eine Fahrt nicht starten, selbst wenn er wollte. So hat die automatische Sicherheitskontrolle einen Fehler im System entdeckt – und die Bremsen aktiviert. Die Vorschriften sind EU-Norm. Die Bahn wird von den Experten für fliegende Bauten vom TÜV Nord abgenommen.

Amann steht auf der Plattform, 15 Meter über dem Boden, gibt über Funk Anweisung, die Maschinerie zu starten. Das Publikum nimmt diese Techniker ansonsten nur als Platzanweiser wahr. Tatsächlich sind ihre Ohren so geschult, das sie jede mechanische Veränderung heraushören – selbst bei der Heavy-Metal-Begleitmusik. Und diese Ohren sind jetzt gespitzt: Auf die Aktivierung am Kontrollpult dreht sich die Winde auf der Plattform, zieht den Wagen in die Höhe. Alles, wie es sein sollte. Es war tatsächlich nur das Relais.

Vorschriftsgemäss, obwohl die Praxis für solche Vorfälle fehlte, lief die Rettung der Passagiere ab, die via Hebebühne aus ihren Gurten befreit und anschliessend betreut wurden. Die Gäste kamen mit dem Schrecken davon. Am nächsten Tag steht nun ein ganz anderer Gast an den Gleisen. Robert Gasser, Connyland-Chef. Es ist ihm anzusehen: Ganz wohl ist ihm nicht beim Gedanken, als Erster nach der technischen Panne in den Sitz zu steigen, der ihn im Höllentempo in einen Looping katapultieren wird. Aber das ist der Spross der Gasser-Familie seinem Personal und dem Publikum schuldig. Und er steigt nach dem Ritt glücklich zurück auf die Plattform: «Alles in Ordnung!» Das bestätigen auch die ersten Gäste, die gleich darauf Schlange stehen: Wegen einer Panne lassen sie sich nicht ins Bockshorn jagen.

Dieselbe Bahn gibts in Europa nur noch einmal: Der russische Hersteller hat eine als Showcase in Betrieb. Während der Connyland-Saison wird die Technik täglich von zwei Mitarbeitern geprüft. Jeweils morgens, weil nach dem Betrieb die Teile zu aufgewärmt sind. Darum läuft die «Cobra» auch immer erst ab 12 Uhr. Zweimal wöchentlich werden zudem die Gleise einer Kontrolle unterzogen. In der Winterpause wird die Bahn zerlegt und von externen Spezialisten geprüft.

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