4 Jahre Gefängnis: Chef vergewaltigte Lehrtochter im Keller
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4 Jahre GefängnisChef vergewaltigte Lehrtochter im Keller

2016 vergewaltigte und missbrauchte ein Syrer seine Lehrtochter mehrmals im Betrieb. Das Zürcher Obergericht hat ihn nun zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

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qll
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Ein 31-jähriger Syrer stand am Dienstag vor dem Obergericht in Zürich. Laut Anklage hatte er seine Lehrtochter 2016 mehrmals vergewaltigt und sie sexuell missbraucht.

Ein 31-jähriger Syrer stand am Dienstag vor dem Obergericht in Zürich. Laut Anklage hatte er seine Lehrtochter 2016 mehrmals vergewaltigt und sie sexuell missbraucht.

Keystone/Ennio Leanza
Er hatte gegen das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur Berufung eingelegt. Dieses verurteilte ihn unter anderem zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren. Auch muss der Syrer nach Absitzen der Strafe das Land verlassen.

Er hatte gegen das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur Berufung eingelegt. Dieses verurteilte ihn unter anderem zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren. Auch muss der Syrer nach Absitzen der Strafe das Land verlassen.

Keystone/Walter Bieri
Doch auch beim Zürcher Obergericht blitzte er ab. Dieses bestätigte das vorinstanzliche Urteil.

Doch auch beim Zürcher Obergericht blitzte er ab. Dieses bestätigte das vorinstanzliche Urteil.

Keystone/Ennio Leanza

Ein Coiffeur hat seine heute 22-jährige Lehrtochter laut der Anklage mehrmals täglich sexuell belästigt, indem er sie am Hintern anfasste und ihren Intimbereich berührte. Weiter vergewaltigte er sie dreimal im Keller des Salons. Am Dienstag stand der heute 31-Jährige vor dem Obergericht des Kantons Zürich. Er hatte als Einziger Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil eingelegt – und ist am Dienstag abgeblitzt: Das Obergericht bestätigte das Urteil der Vorinstanz am Dienstag in allen Punkten.

Im Juni 2017 hatte das Bezirksgericht Winterthur ihn wegen mehrfacher Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und mehrfacher sexueller Belästigung schuldig gesprochen. Er wurde unter anderem zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren und einer Busse von 500 Franken verurteilt. Auch erhielt er einen Landesverweis: Nach Absitzen der Freiheitsstrafe soll der Syrer die Schweiz für acht Jahre verlassen.

«Ich komme aus einer anderen Kultur»

Gemäss Gerichtsakten begannen die Belästigungen, nachdem die Lehrtochter im September 2016 ihr drittes Lehrjahr im Betrieb des Beschuldigten angetreten hatte. Bereits nach kurzer Zeit habe er ihr nachgestellt und sie am Hintern angefasst, gab die Klägerin an. Nach rund drei Wochen sollte sie ihm in den Keller des Lehrbetriebs folgen und ihn dort massieren. Nachdem sie ihn massiert habe, habe er ihr ebenfalls eine Massage angeboten, die sie jedoch ablehnte. Plötzlich habe er ihr dann die Hose heruntergezogen, sich auf sie gelegt und sie vergewaltigt. An zwei darauffolgenden Donnerstagen habe sich das Ganze wiederholt. An Donnerstagen war die Ausbildnerin nicht im Salon.

Vor dem Bezirksgericht hatte der Beschuldigte zugegeben, dass sie miteinander Sex gehabt hätten. Er gab aber an, dass jegliche Handlung auf freiwilliger Basis stattgefunden habe. Vor dem Obergericht gab er nun an, dass er viel Zeit gehabt habe, um über das Geschehene nachzudenken, und ihm sei nun klar, dass er ihre Abwehrhaltung hätte richtig interpretieren müssen. Auf Nachfrage des Richters konnte er nicht genau beschreiben, wie sich die Klägerin genau gewehrt habe. Der Beschuldigte erklärte jedoch: «Ich komme aus einer anderen Kultur. Ich dachte, sie halte sich zurück, weil sie schüchtern ist und Hemmungen hat.»

Er sei verliebt gewesen

Weiter gab der Beschuldigte an, er sei sehr in sie verliebt gewesen und habe mit ihr gemeinsam eine schöne Zeit haben wollen. Diese Aussage irritierte und amüsierte den vorsitzenden Richter offensichtlich: «Sie haben sie damals als böse beschrieben. Sie gaben an: ‹Sie hat wenig gelacht. Sie ist kein fröhlicher Mensch. Sie ist kein sozialer Mensch, asozial und böse.› Und in so jemanden haben Sie sich verliebt?» Der Beschuldigte bestätigte seine Gefühle. Damals habe er das nur gesagt, weil er so geschockt gewesen sei, dass er beschuldigt wurde.

Sein Anwalt forderte im Hauptantrag einen Freispruch in allen Punkten. Er machte einen Sachverhaltsirrtum geltend. Sein Mandant habe die Lage nicht richtig einschätzen können. Weiter stellte er einen Eventualantrag an. So sollte sein Mandant zu einer bedingten Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten oder zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt werden, wobei sein Mandant 12 Monate absitzen müsste. Die Strafe sollte er aber in Halbgefangenschaft absitzen, damit er nicht finanziell geschädigt würde.

Machtposition ausgenutzt

Die Verteidigerin hingegen forderte die Abweisung der Berufung. Sie sprach von einem Strategiewechsel, weil er jetzt nun behaupte, er sei in die Lehrtochter verliebt gewesen. Laut dem Richter hat der Beschuldigte selbst während der Untersuchung verneint, dass er Gefühle für die Lehrtochter hatte.

Das Obergericht Zürich bestätigte die vier Jahre Gefängnis. Die Klägerin habe stets konstante und widerspruchsfreie Aussagen gemacht. Die Darstellungen des Beschuldigten hingegen seien nicht glaubhaft. Zuvor habe er versucht, sie zu diskreditieren. Er habe seine Machtposition skrupellos und gezielt ausgenutzt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Auch zeige die Wiederholung der Tat, welch kriminelle Energie dahinterstecke.

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