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«Inszenierte Pandemie»Chefärztin teilt in Klinik-Newsletter Corona-Verschwörungstheorien

Petra Wiechel, Chefärztin der Bündner Swiss Mountain Clinic, hält die Corona-Pandemie für ein «Ablenkungsmanöver im Rahmen eines weltweiten Umbruchs». Für ihre Äusserungen wird sie bei Corona-Skeptikern gelobt.

von
Daniel Krähenbühl
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Petra Wiechel, Chefärztin der Swiss Mountain Clinic in Castaneda GR, teilt in ihrem Klinik-Newsletter Verschwörungstheorien.

Petra Wiechel, Chefärztin der Swiss Mountain Clinic in Castaneda GR, teilt in ihrem Klinik-Newsletter Verschwörungstheorien.

Google Maps/Henrik1966
«Corona ist das grosse geplante Ablenkungsmanöver im Rahmen eines weltweiten wirtschaftlichen Umbruchs», schreibt die Ärztin.

«Corona ist das grosse geplante Ablenkungsmanöver im Rahmen eines weltweiten wirtschaftlichen Umbruchs», schreibt die Ärztin.

Wikipedia/ Adrian Michael
Bei den Corona-Skeptikern findet sie damit viel Zuspruch. 

Bei den Corona-Skeptikern findet sie damit viel Zuspruch.

Telegram

Darum gehts

  • Die Chefärztin der Bündner Swiss Mountain Clinic teilt im Klinik-Newsletter Corona-Verschwörungstheorien.

  • Von Corona-Skeptikern wird sie dafür umjubelt.

  • Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, widerspricht den Äusserungen Wiechels klar.

«Die virale Bedrohung ist eine politisch inszenierte Pandemie, dessen Werkzeug heute Covid-19 ist und morgen Covid-21»: Das schreibt Petra Wiechel, Chefärztin der Swiss Mountain Clinic in Castaneda GR, in einem Klinik-Newsletter. In Ihrer Klinik, die als «Internationales Kompetenz-Zentrum für Regulations- und Ursachen-Medizin» angepriesen wird, bietet sie komplementärmedizinische Therapien – etwa Sauerstoff-, Ozontherapien oder Leberentgiftungskuren – an.

Im Beitrag schreibt Wiechel weiter, dass es «politisch lange geplant und gewollt» sei, viralen Erkrankungen mit Isolation zu begegnen und Hilflosigkeit, Angst und Panik zu schüren. «Corona ist das grosse geplante Ablenkungsmanöver im Rahmen eines weltweiten wirtschaftlichen Umbruchs», schreibt die Ärztin. Zudem sei der Netzwerkstandard 5G ein auslösender Faktor für eine Reaktivierung der Viren.

Zuspruch von Corona-Rebellen

Bei den selbsternannten Schweizer «Corona Rebellen», die den Newsletter im eigenen Blog teilen, kommen die Äusserungen gut an. «Ehrenfrau!», «Einfach grandios!», «Grosses Kompliment»: In der Telegram-Gruppe zollen die Corona-Skeptiker Wiechel Respekt. Nicht zum ersten Mal: Corona-skeptische Ärzte wie Bodo Schiffmann, der etwa Gerüchte über den Masken-Tod von Kindern in die Welt setzte, werden in der Szene als «Gegenexperten» umjubelt. Auch in der Schweiz gerieten bereits mehrmals Corona-skeptische Ärzte in die Schlagzeilen.

Ulf-Torsten Wiechel, Verwaltungsratspräsident der Swiss Mountain Clinic, will sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht weiter zum Beitrag seiner Frau äussern. Mit den Corona Rebellen habe es jedoch keine Absprache gegeben: «Wie ich auf den ersten Blick sehe, ist die Darstellung unseres Newsletters bei Corona Rebellen nicht autorisiert und auch gekürzt wiedergegeben worden», schreibt Wiechel.

«5G nichts mit Infektionskrankheiten zu tun»

Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, beurteilt die Äusserungen Wiechels kritisch: «Die Behauptung, dass die Pandemie inszeniert sein soll, ist bei den vielen kranken Menschen weltweit und den hohen Todeszahlen schlicht unhaltbar.» Keine Regierung würde einen Lockdown beschliessen, um etwas zu inszenieren. Die Aussage, dass der Netzwerkstandard 5G mit Infektionskrankheiten zu tun hat, sei zudem klar falsch.

Im Übrigen könne eine Pandemie mit einem Infektionserreger wie SARS-CoV-2 nicht geplant werden, sagt Günthard. «Das geschieht einfach – so wie die Spanische Grippe oder HIV.» Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die Gesundheitssysteme in den meisten Ländern an ihre Grenzen stossen. Günthard: «Ich bin seit 30 Jahren medizinisch tätig und habe noch nie so viele an der gleichen Infektionskrankheit erkrankte Menschen im Spital gesehen.»

Geldsorgen bei der Swiss Mountain Clinic

Die Swiss Mountain Clinic landete wegen Geldnot bereits im Sommer 2020 in den Medien: Wie der «Beobachter» schrieb, habe die Corona-Krise die Klinik «existenziell betroffen». So schrieben die Klinik-Besitzer Ulf-Torsten und Petra Wiechel, dass man die «vielen Stornierungen» wirtschaftlich nicht verkrafte. Die Klinik habe bei den Patienten um Geld gebettelt, bei einer Spendenaktion versprach man einen Rabatt auf Therapieangebote. Und wenn man 1000 Franken spendet, gibts das Zimmer «als Dankeschön» zum halben Preis.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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