Pietro Vernazza: Chefarzt sieht «differenzierte Durchseuchung» als Alternative
Aktualisiert

Pietro VernazzaChefarzt sieht «differenzierte Durchseuchung» als Alternative

Pietro Vernazza bringt eine Alternative zur «Ausrottungsstrategie des Bundes» ins Spiel. Das Virus sei weniger gefährlich als gedacht.

von
Nadine Wozny
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Pietro Vernazza schlägt eine differenzierte Durchseuchung als Alternative zur Strategie des Bundesrates vor.

Pietro Vernazza schlägt eine differenzierte Durchseuchung als Alternative zur Strategie des Bundesrates vor.

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«Man könnte die Schutzmassnahmen in der breiten Bevölkerung reduzieren, damit die junge Bevölkerung nach und nach mit dem Virus in Kontakt kommt», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung».

«Man könnte die Schutzmassnahmen in der breiten Bevölkerung reduzieren, damit die junge Bevölkerung nach und nach mit dem Virus in Kontakt kommt», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung».

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Zwar ist Vernazza zufrieden mit dem, was die Schweiz erreicht habe. Die Strategie des Bundesrats müsse aber überdenkt werden.

Zwar ist Vernazza zufrieden mit dem, was die Schweiz erreicht habe. Die Strategie des Bundesrats müsse aber überdenkt werden.

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Darum gehts

  • Infektiologe Pietro Vernazza schlägt eine «differenzierte Durchseuchung» als Alternative zur Bundesratsstrategie vor.
  • Die Schutzmassnahmen könnten damit gelockert werden.
  • Das Virus sei weniger gefährlich als angenommen.

«Man könnte die Schutzmassnahmen in der breiten Bevölkerung reduzieren, damit die junge Bevölkerung nach und nach mit dem Virus in Kontakt kommt.» Diesen Vorschlag macht Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen, in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» (Artikel ist kostenpflichtig). Die ältere Bevölkerung soll hingegen besser geschützt werden.
Er zeige einfach auf, dass eine solche «differenzierte Durchseuchung eine Alternative zur heutigen Ausrottungsstrategie des Bundes» sei. Dabei stützt er sich auf Studien aus dem Tessin, Spanien und der USA, wonach zehnmal mehr Menschen mit dem Virus infiziert wurden, als tatsächlich diagnostiziert

«Das Virus scheint weniger gefährlich als gemeinhin vermutet», sagt Vernazza. Die Sterblichkeit der Infizierten sei weniger hoch als zunächst befürchtet.

«Die in Schweden haben nichts falsch gemacht»

Andererseits hat er Zweifel in Sachen Impfung. Diese bringe nur etwas, wenn der Grossteil der Bevölkerung mitmache. Nicht nur Risikopatienten müssten sich impfen lassen, sondern auch junge Menschen aus Solidarität zu den Alten. Es bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass die «Impfung bei älteren Menschen kaum nützt».
Auch zur viel kritisierten Corona-Strategie von Schweden äussert sich Vernazza. «Die in Schweden haben nichts falsch gemacht», sagt er. Schliesslich gehen auch dort die Todesfallzahlen linear zurück. Er würde «bedenkenlos» im nordeuropäischen Land Ferien machen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man aber noch nicht sagen, welche Strategie – die der Schweiz oder die von Schweden – besser ist.

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