Pistorius vor Gericht: Chefermittler Botha wird abgesetzt
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Pistorius vor GerichtChefermittler Botha wird abgesetzt

Hilton Botha, der leitende Polizeiermittler im Mordfall von Oscar Pistorius, steht unter dem Verdacht des versuchten Mordes. Jetzt wird er von seinen Aufgaben entbunden.

Bereits einen Tag länger als angesetzt läuft die Anhörung im Fall Pistorius. Nun wurde der Hauptermittler ausgetauscht. Der bisherige Ermittler sieht sich selbst mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Derweil rüttelt Pistorius' Verteidiger an der Beweislast für Mord.

Im Fall um den wegen Mordes angeklagten Sportstar Oscar Pistorius ist ein neuer Hauptermittler ernannt worden. Der bisherige Ermittler Hilton Botha muss sich selbst in einem anderen Verfahren wegen siebenfachen Mordversuches vor Gericht verantworten. Vinesh Moonoo übernehme die Ermittlungen, sagte Südafrikas Polizeichefin Riah Phiyega am Donnerstag. Moonoo sei «Top-Ermittler» der südafrikanischen Polizei und werde «ein hochversiertes und erfahrenes Team aus Ermittlern» zusammenstellen.

Auf einen Minivan geschossen

Gegen Botha war am 4. Februar ein Verfahren wieder aufgenommen worden. Nach Angaben der Polizei soll er Anfang Mai vor Gericht erscheinen. Er hatte während eines Einsatzes 2011 auf einen Minivan geschossen, um ihn anzuhalten. Die Wiederaufnahme des Prozesses wurde einen Tag, nachdem Botha im Fall Pistorius ausgesagt hatte, bekannt.

Botha hatte am Mittwoch eingeräumt, dass die Behörden keine Beweise dafür hätten, die Aussage des Sportstars Oscar Pistorius zu widerlegen, er habe seine Freundin Reeva Steenkamp versehentlich erschossen. Pistorius wird vorsätzlicher Mord vorgeworfen.

Derweil gab am Donnerstag Pistorius' Hauptsponsor Nike bekannt, dass er seinen Vertrag mit dem Sportler kündigt. «Wir denken, dass Oscar Pistorius sehr vom Prozess beansprucht wird und werden die Situation genau im Auge behalten», hiess es in einer Mitteilung auf der Website des Sportartikelherstellers.

Sponsoren verloren

Der Olympia-Teilnehmer und mehrfache Paralympics-Gewinner hat bereits mehrere Sponsoren verloren, seit er mit einer Mordanklage vor Gericht steht. Pistorius hat gestanden, seine Freundin erschossen zu haben, bestreitet aber den Tötungsvorsatz: Er habe sie für einen Einbrecher im Badezimmer gehalten, im Dunkeln geschossen und erst danach bemerkt, dass sich seine Freundin nicht im Bett befand.

Am Donnerstag wurde die Anhörung wegen einer möglichen Kautionsfreilassung von Pistorius fortgesetzt. Damit dauert die Anhörung bereits einen Tag länger als ursprünglich angesetzt. Die Verteidigung zeigte Nachlässigkeiten in den Ermittlungsarbeiten auf. So sei beispielsweise Chefermittler Botha selbst in den Tatort hineingelaufen, ohne einen Schuhschutz zu tragen und habe dadurch möglicherweise das Gelände kontaminiert, argumentierte Pistorius' Verteidiger Barry Roux.

«Liebevolle Beziehung»

Botha hatte zuvor am Donnerstag ausgesagt, bereits 2009 gegen Pistorius ermittelt zu haben. Damals ging er der Anschuldigung einer Frau nach, die behauptet hatte, der Athlet hätte sie angegriffen. Dabei hatte Pistorius die Frau nicht verletzt, sondern vielmehr sie sich selbst.

Roux verwies erneut auf die «liebevolle Beziehung» von Pistorius und Steenkamp, die Tötung sei nicht «vorausgeplant» gewesen. Eine Autopsie habe zudem ergeben, dass die Blase des Opfers leer gewesen sei - das bekräftige Pistorius Behauptung, Steenkamp sei nachts ins Bad gegangen, um die Toilette zu benutzen. Ermittler hatten behauptet, das Model habe Zuflucht in der abschliessbaren Toilette gesucht, um sich vor ihrem aufgebrachten Freund in Sicherheit zu bringen. (sda)

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