Chefredakteure wählen Kerry
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Chefredakteure wählen Kerry

Wenn bei der Präsidentschaftswahl in den USA nur Chefredakteure wählen dürften, könnte Herausforderer John Kerry mit einem Sieg rechnen.

Während die Meinungsumfragen nicht eindeutig sind, fallen die Wahlempfehlungen amerikanischer Zeitungen mehrheitlich zu Gunsten des Demokraten aus. Nach einer Zählung des Branchenmagazins «Editor & Publisher» sprachen sich bislang 125 Zeitungen ausdrücklich für Kerry aus. Nur 96 empfahlen ihren Lesern, für Amtsinhaber George W. Bush zu stimmen.

Bei der letzten Wahl vor vier Jahren hatten sich nach Zählung der Universität George Washington noch 175 Zeitungen für Bush ausgesprochen. 35 davon wechselten jetzt aber zu Kerry, mehrere andere geben in diesem Jahr gar keine Wahlempfehlung ab.

So erklärte die traditionell konservative «Detroit News» in ihrer Sonntagsausgabe, da Bush seine Wahlversprechen einer konservativen Haushaltsführung und einer zurückhaltenden Auslandspolitik nicht erfüllt habe, fühle sich die Redaktion gezwungen, auf eine Empfehlung zu verzichten. Das hatte die im US-Staat Michigan erscheinende Zeitung seit dem Ende der Präsidentschaft von Franklin Delano Roosevelt 1945 nicht mehr getan.

Auch die «Tampa Tribune» aus Florida brach in der vergangenen Woche mit einer langjährigen Tradition. Obwohl man sich nie habe vorstellen können, dass man Bush nicht unterstützen werde, sehe man sich jetzt nicht dazu in der Lage, teilte das Blatt seinen Lesern mit. Begründet wurde dies unter anderem mit der «falschen Handhabung» des Irak-Kriegs und dem Rekorddefizit im US-Haushalt.

Da viele US-Bürger ihre politischen Informationen eher aus dem Fernsehen als aus der Presse beziehen, spielen die Empfehlungen der Zeitungen für den Ausgang der Wahl vermutlich keine sehr grosse Rolle. Gerade in Staaten wie Michigan und Florida, wo ein sehr knappes Ergebnis erwartet wird, könnten sie womöglich aber doch den Ausschlag geben, meint Greg Mitchell von «Editor & Publisher».

(dapd)

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