Frauenfeld: Chefs können genaues Arztzeugnis verlangen
Aktualisiert

FrauenfeldChefs können genaues Arztzeugnis verlangen

Im Thurgau ist ein Arztzeugnis kein Freibrief mehr, um zu Hause zu bleiben. Neu kann der Arzt dem Chef sagen, welche Arbeiten der Arbeitnehmer trotz Krankheit ausüben kann.

von
Marlene Kovacs

Künftig sollen im Thurgau ­weniger Blanko-Arztzeugnisse ausgestellt werden: Etwa wegen eines verstauchten Fusses nicht ins Büro zu gehen, könnte verunmöglicht werden. Denn seit gestern können Arbeitgeber ein detailliertes Arztzeugnis kranker Mitarbeiter verlangen. Dann legt der Arzt mit dem Patienten fest, welche Tätigkeiten dieser noch ausüben kann.

«Bislang wusste der Arzt oft gar nicht, was der Patient in der Arbeit machen muss», sagt Alexander von Weymarn, Prä­sident der Thurgauer Ärztegesellschaft. «Wenn man krank ist, heisst das nicht grundsätzlich, dass man zu Hause bleiben muss», sagt Peter Maag, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau. Mit der Neuerung sollen auch Krankheits- und Unfallausfälle reduziert werden. Zudem könne der Chef so besser planen. Maag: «Für den Arbeitgeber ist es oft frustrierend, wenn er keine richtige Auskunft über den Zustand des Mitarbeiters bekommt.»

Margrit Kessler von der Stiftung SPO Patientenschutz ist jedoch skeptisch: «Problematisch ist, wenn der Arbeitgeber durch das Arztzeugnis die Diag­nose ableiten kann.» Würde dieser zum Beispiel erfahren, dass sein Mitarbeiter depressiv oder chronisch krank ist, könnte das schwerwiegende Konsequenzen haben.

Deine Meinung