Economiesuisse: Chefs liefern sich zum Schluss einen Machtkampf
Aktualisiert

EconomiesuisseChefs liefern sich zum Schluss einen Machtkampf

Nicht nur Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta geht. Auch Präsident Rudolf Wehrli wirft nach nicht einmal einem Jahr das Handtuch. Gentinetta sei dessen Bauernopfer, heisst es.

von
Sabina Sturzenegger
Zum Schluss noch ein Machtkampf: Rudolf Wehrli (l.) und Pascal Gentinetta.

Zum Schluss noch ein Machtkampf: Rudolf Wehrli (l.) und Pascal Gentinetta.

Heute Morgen wurde bekannt, dass Economiesuisse-Geschäftsführer Pascal Gentinetta zurücktreten muss. Die Überraschung war perfekt. Eher hätte man den Rücktritt des Präsidenten Rudolf Wehrli erwartet.

Doch bald sickerte durch, dass auch dieser den Hut nehmen wird. Nach einem knappen Jahr beim Wirtschaftsdachverband tritt Rudolf Wehrli Ende August sein Amt ab. Angeblich wegen zu hoher Arbeitsbelastung. So zumindest steht es in der Mitteilung.

Der eine sofort, der andere später

Wehrli bleibt bleibt dem Wirtschaftsdachverband noch ein Weilchen erhalten, Gentinetta hingegen muss sofort gehen. Das zeigt, welch erbitterter Machtkampf inzwischen an der Verbandsspitze tobt: Gentinetta sei das Bauernopfer von Wehrli, der es seinerseits nie geschafft habe, den eigenen Verband, aber auch die Öffentlichkeit zu überzeugen, sagt eine Quelle zu 20 Minuten.

Mit dem sofortigen Rücktritt Gentinettas habe Wehrli zum Schluss noch erreicht, dass er sich selber aus dem Schussfeld nehmen könne. Die Kritik war nach der verlorenen Abzocker-Initiative heftig über Rudolf Wehrli hereingeprasselt. Schon länger war darüber spekuliert worden, ob und wann er zurücktritt.

Gentinetta schon lange im Verband

Pascal Gentinetta dagegen ist schon fast ein «alter Hase» bei Economiesuisse. Er war schon Mitarbeiter beim Vorgängerverband, dem Vorort. 2000 kam die Fusion mit der Wirtschaftsförderung und Gentinettas Aufstieg im Verband. Im Gegensatz zu Wehrli, dessen Leistungsausweis mager sei, habe Gentinetta an der Economiesuisse-Spitze auch Abstimmungserfolge auszuweisen, sagt der Insider.

Vorerst soll Chefökonom Rudolf Minsch die operative Leitung des Verbandes interimistisch übernehmen. Die Nachfolge von Präsident Rudolf Wehrli ist noch offen.

Swissmem-Präsident Hess will nicht

Der Präsident des Industrieverbands Swissmem, Hans Hess, will nicht Nachfolger von Rudolf Wehrli an der Spitze von Economiesuisse werden. «Ich bin Industrieller durch und durch», sagte Hess vor den Medien in Zürich. Er wolle sich weiter dem Verband der Metall-, Elektro-. und Maschinenbauindustrie widmen, den er seit 2010 präsidiert, sagte Hess. Hess ist Mitglied des Economiesuisse-Vorstands und einer der Vizepräsidenten des Verbands.

Economiesuisse will künftig volksnaher auftreten, vor allem bei Abstimmungskampagnen, in denen der Verband für die Interessen der Wirtschaft eintritt. «Economiesuisse würde etwas mehr Bescheidenheit gut anstehen», sagte Hess denn auch. Der Verband sei trotz des Doppelrücktritts Wehrli-Gentinetta weiter führungsfährig, sagte Hess. (sda)

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