Für Karriere: Chefs schicken Mitarbeiter zum Zahnarzt
Aktualisiert

Für KarriereChefs schicken Mitarbeiter zum Zahnarzt

Mehr und mehr Schweizer lassen sich die Zähne korrigieren – viele, weil sie sich bessere Karrierechancen erhoffen. Den Gang zum Zahnarzt wünscht manchmal sogar der Chef.

von
Deborah Onnis
Schöne statt schiefe Zähne: Schweizer gehen immer häufiger für Korrekturen zum Zahnarzt.

Schöne statt schiefe Zähne: Schweizer gehen immer häufiger für Korrekturen zum Zahnarzt.

Ein schönes Lächeln ist wichtig – nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch im Job. Diverse Studie belegen, dass optisch attraktive Menschen im Schnitt erfolgreicher sind. Zuletzt zeigten zwei Zürcher Forscherinnen auf, dass Gutaussehende zum Beispiel bei Bewerbungsgesprächen die besseren Karten haben.

Dieser Zusammenhang macht sich bei den Schweizer Zahnärzten bemerkbar. «Seit etwa fünf Jahren habe ich viel mehr Patienten, die sich wegen ihrer beruflichen Karriere bei mir melden», sagt Umberto Schläpfer vom Dental Center Limmattal in Dietikon ZH. Teilweise werden die Patienten wegen Fehlstellungen oder verfärbten Zähnen direkt vom Chef zum Zahnarzt geschickt.

Auch Andrea Della Chiesa von der Dent Care Clinic Liestal BL behandelte schon mehrere Patienten, bei denen der Arbeitgeber explizit eine Zahnkorrektur wünschte. «Die meisten sind im Bankensektor tätig und im direkten Kundenkontakt.» In der Branche sei ein gepflegtes Auftreten der Frontmitarbeiter offensichtlich sehr wichtig. «Ein schönes Lächeln ist für den ersten Eindruck tatsächlich entscheidend», sagt Della Chiesa, der auf ästhetische Zahnmedizin spezialisiert ist.

Ästhetische Merkmale sollten nicht ausschlaggebend sein

Das bestätigt Christoph Hickert, diplomierter Coach und Supervisor. Zudem könne eine Zahnkorrektur zu mehr Selbstwertgefühl führen. Schöne Zähne allein reichten aber nicht, um Karriere zu machen.«Langfristig zählt das Gesamtpaket.» Wenn ein Angestellter oder Bewerber vom Chef auf die Ästhetik reduziert werde, sei das problematisch.

Rainer Mössinger vom Rechtsdienst von KV Schweiz sieht dies ähnlich: «Solange das Auftreten des Mitarbeiters anständig ist, dürfen einzelne ästhetische Merkmale nicht ausschlaggebend sein.» Zu einer Zahnkorrektur zwingen dürfe ein Chef den Angestellten ohnehin nicht. «Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht. Das heisst, er muss auch die Persönlichkeit des Mitarbeiters respektieren.» Eine deswegen ausgesprochene Kündigung müsse grundsätzlich als missbräuchlich beurteilt werden.

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