Enttäuschte Basler: «Chelsea ist für mich nicht der verdiente Sieger»
Aktualisiert

Enttäuschte Basler«Chelsea ist für mich nicht der verdiente Sieger»

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Trotz der herben Enttäuschung nach der 1:2-Heimniederlage in letzter Minute steckt der FCB noch nicht auf. Das hat auch mit Chelseas Auftritt zu tun.

von
Eva Tedesco

Der FC Basel verliert im Halbfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Chelsea 1:2. Aber Trainer Murat Yakin gibt noch nicht auf. (Video: 20 Minuten)

«Wir nehmen die Herausforderung an und versuchen, das Beste draus zu machen – auch wenn wir im Rückspiel 2:0 gewinnen müssen», sagt FCB-Trainer Murat Yakin nach Spielschluss und gibt sich weiterhin kämpferisch. Den Kopf in den Sand stecken und aufgeben kennt Yakin nicht. Der FCB-Trainer, der immer nur positiv denkt und bei Ansprachen zum Team nie Wörter verwendet, die negativ behaftet sind, lebt diese Einstellung – selbst wenn das Verdikt so bitter ist, wie die 1:2-Last-Minute-Niederlage am Donnerstagabend gegen Chelsea.

Knapp sieben Minuten dauerte die Hoffnung der Bebbi auf eine bessere Ausgangslage für das Halbfinal-Rückspiel in der Europa League in London in einer Woche, nachdem Victor Moses (nach einem Eckball von Lampard) Chelsea schon nach 12 Minuten in Führung gebracht und Fabian Schär (87.) mit einem trocken verwandelten Penalty für den FCB wieder ausgeglichen hatte. «Welcher Elfmeter?», merkte später Chelsea-Coach Rafa Benitez an der Medienkonferenz süffisant an. Tatsächlich war die Intervention von César Azpilicueta an Valentin Stocker vom tschechischen Ref Kralovec – präziser, vom schwachen tschechischen Unparteiischen – zu Unrecht als penaltywürdig taxiert worden.

Sommer muss den Ball halten

Der FCB kämpfte weiter. Captain Marco Streller trieb seine Mitspieler unermüdlich an. Wäre es nicht klüger gewesen, das 1:1 über die Zeit zu retten? Murat Yakin: «Es war ein offenes Spiel und ich hatte das Gefühl, dass wir noch ein zweites Tor erzielen können und Chelsea mit dem 1:1 zufrieden war. Deshalb wollte ich den Offensivdrang meiner Mannschaft nicht bremsen.» So kam es, wie es kommen musste. Wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff verwandelt David Luiz einen Freistoss zum 2:1 aus Sicht der Engländer. Ein Schuss allerdings, den FCB-Goalie Yann Sommer halten muss.

«Das Problem war nicht einmal der Schuss, das ist noch das Traurige daran. Ich sage Fabian Schär, dass er auf die Linie kommen soll, sehe aber nicht, dass er links steht. So rennt er diagonal vor mir durch und ich sehe eine Sekunde den Ball nicht. Ich müsste ihm aber sagen, dass er hinter der Mauer gerade durchläuft. Mein Fehler, denn ich habe ihn da nicht beobachtet. Das hat uns voll den Knick gegeben, denn wir haben im Spiel viel gemacht, viel probiert und sind zu Chancen gekommen und dann bekommst du am Schluss so ein dummes Tor. Ich muss wirklich sagen: Chelsea ist für mich nicht der verdiente Sieger», so der Basler Schlussmann.

Keine Übermannschaft

Auch Valentin Stocker sah in Chelsea keine Übermannschaft: «Ich weiss nicht, was ihr gesehen habt, aber ich habe heute nicht die Mannschaft gesehen, die letztes Jahr die Champions League gewonnen hat. Die kommen nach Basel gegen eine Schweizer Mannschaft und spielen so defensiv und nur auf Konter. Aber sie haben das Spiel gewonnen, und das ist das, was zählt. Ich bin gespannt, in London muss dann vielleicht Chelsea das Spiel machen – mal schauen, was dann da rauskommt.»

Die Enttäuschung sass auch bei Valentin Stocker tief, der es in den letzten zwei Tagen mit den Pfosten hatte. Am Mittwoch lief er im Abschlusstraining gegen einen Torpfosten und verletzte sich dabei leicht. Und am Donnerstag steht ihm wieder ein Pfosten im Weg – da bei einem satten Weitschuss (48.). «Es ist bitter, wenn man so verliert. Aber es ist noch nichts verloren, denn wir haben gesehen, dass wir gegen sie Tore schiessen können. Chelsea ist keine Übermannschaft.»

Das Hoffen auf zwei Tore

Aber abgebrühter, cleverer und wohl auch erfahrener auf diesem Niveau und in Finalspielen. «Wir haben Leidenschaft gezeigt und Unerschrockenheit», sagt Yakin, «und wir haben nie aufgegeben. Jetzt ist klar, dass wir in London zwei Tore schiessen müssen.» Ein Kunststück, das dem FC Basel aber schon gelungen ist: beim 2:2 gegen Tottenham im Viertelfinal. Erschwert wird das Unterfangen diesmal aber durch die Absenz des gesperrten Aleksandar Dragovic. Sicher ist: Es braucht fast ein Wunder, damit der FCB das 1:2 im Rückspiel noch drehen kann. Aber Überraschungen hat es ja immer wieder gegeben.

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