Chemie-Einsatz am Lauberhornrennen ohne Folgen

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Chemie-Einsatz am Lauberhornrennen ohne Folgen

Der Chemikalieneinsatz auf der Skirennstrecke am Lauberhorn vom vergangenen Wochenende hat voraussichtlich kein juristisches Nachspiel. Der Bund und der Kanton Bern wollen auf eine Anzeige gegen die Pistenchefs verzichten.

Beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist eine Anzeige derzeit kein Thema, wie BAFU-Sprecherin Elisabeth Maret am Freitag eine Meldung der «Berner Zeitung» bestätigte. Auch der Kanton Bern verzichtet auf diesen Schritt, wie Mario Andrini vom kantonalen Gewässerschutzamt auf Anfrage erklärte.

Spielregeln für kommende Saison

Es mache keine Sinn, nun noch die Vergangenheit regeln zu wollen, sagte Andrini. Wichtiger sei, dass für die nächste Skisaison gültige Spielregeln aufgestellt würden. Dazu brauche es Entscheidgrundlagen auf nationaler Ebene.

Andrini sprach von einer eigentlichen Gesetzeslücke. Um diese zu schliessen, müssten zahlreiche offene Fragen geklärt werden. Unklar sei beispielsweise, ob der Einsatz von Chemikalien zur Pistenpräparation im Rahmen der Düngegesetzgebung geregelt wird.

Privates Gutachten

Der Fall «Lauberhorn» wird laut Andrini von einem privaten Umweltbüro im Auftrag der Lauberhornrennen aufgearbeitet. Zweifel an der Unabhängigkeit des Gutachtens hat Andrini nicht. Die Rennverantwortlichen hätten alles Interesse, dass die Fakten auf den Tisch kämen, sagte er.

Das BAFU untersucht nicht den Fall «Lauberhorn» an sich, sondern will grundsätzlich abklären, ob und wie stark die Skipisten in der Schweiz mit Hilfsstoffen behandelt werden. Untersucht wird auch, wie sich diese Stoffe auf die Umwelt auswirken können. Ausserdem soll die Gesetzeslage geklärt werden.

Aufgrund der Resultate will der Bund über allfällige Massnahmen entscheiden, wie das Bundesamt am Freitag mitteilte.

Der Chemikalieneinsatz am Lauberhorn hat inzwischen diverse Natur- und Umweltschützer auf den Plan gerufen. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz gelangte am Freitag mit einem Schreiben an den Renndirektor des internationalen Skiverbands, Günter Hujara.

Angesichts der viel zu milden und niederschlagsarmen Witterung muteten die Vorkommnisse unter anderem in Wengen absurd an, heisst es in dem ebenfalls den Medien zugestellten Brief. Die Eingriffe lägen am Rande der Legalität. Mit ihnen werde die Natur dem Event und nicht der Anlass der Natur angepasst.

Unklare Menge

Um den Slalom am Lauberhorn möglich zu machen, verwendeten die Pistenverantwortlichen den Kunstdünger Ammoniumnitrat. Die Verwendung dieses Stoffs zur Pistenpräparation ist gängige Praxis.

Das BAFU ging am vergangenen Sonntag jedoch davon aus, dass die eingesetzten Mengen die zulässigen Vorgaben überstiegen. Am Sonntag war die Rede von 1,5 Tonnen Ammoniumnitrat auf rund einem Zehntel Hektar Fläche. Inzwischen sind diese Zahlen jedoch fraglich. In der Landwirtschaft dürften solche Mengen nur auf einer Fläche von 14 Hektaren über ein Jahr verteilt ausgebracht werden.

Durch den Einsatz von Kunstdünger wird der Gefrierpunkt des Schnees heraufgesetzt. Skipisten können so trotz hoher Temperaturen befahrbar gemacht werden.

Die Düngewirkung auf die Wiesen schlage sich in einem um rund 25 Prozent erhöhten Pflanzenertrag nieder, schrieb das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Jahr 2004 in einem Newsletter zum Thema «Kunstschnee - was steckt dahinter». (sda)

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