Aktualisiert 21.03.2006 17:18

Chemie stimmt nicht: Gurit-Heberlein mit Verlust

Der Mischkonzern Gurit-Heberlein ist 2005 in die roten Zahlen gerutscht. Schuld sind Restrukturierungen vor der Aufspaltung der Gruppe in ein Spezialkunststoff- und ein Medizinaltechnikunternehmen. Die Industriesparte litt besonders.

Im vergangenen Jahr sei ein Reinverlust von 29,6 Mio. Fr. angefallen, teilte Gurit-Heberlein am Dienstag mit. Die Restrukturierungen, die fast ausschliesslich im Industriegeschäft angefallen seien, hätten das Ergebnis unter dem Strich mit 54,9 Mio. Fr. belastet, sagte Finanzchef Peter Lieberherr auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.

Der Konzern hatte im Herbst die Fasertechnologie an Saurer verkauft. Zudem soll das hauptsächlich auf den schrumpfenden Skimarkt ausgerichtete Werk Innsbruck bis Ende dieses Jahres geschlossen werden. Die dortige Produktion werde in die Betriebe in der Schweiz, Deutschland sowie in Nordamerika verlagert. Die Kosten dafür wurden bereits der Rechnung 2005 aufgebürdet.

Erwartungen verfehlt

Ohne die Restrukturierungskosten hätte Gurit-Heberlein den Reingewinn um 60 Prozent auf 25,3 Mio. Fr. gesteigert. Das Resultat sehe allerdings besser aus, als es sei, sagte der abtretende Geschäftsführer Rudolf Wehrli.

Denn wegen der Änderungen der Rechnungslegung seien 2005 die Goodwill-Amortisationen weggefallen, die 2004 noch 11,3 Mio. Fr. gekostet hätten. «Das heisst, wir liegen auf dem Niveau des Vorjahres», sagte Hälg.

Damit wurden die Erwartungen der Analysten verfehlt. Diese hatten gemäss der Nachrichtenagentur Reuters mit einem Verlust von 7,7 Mio. bis 18 Mio. Fr. gerechnet. An der leicht tieferen Börse stieg die Aktie bis Börsenschluss minim um 0,1 Prozent auf 1410 Franken.

Auch operativ konnte Gurit-Heberlein die Ziele nicht erfüllen. Der Umsatz sei zwar um 2,2 Prozent auf 591,7 Mio. Fr. geklettert. Dieser Anstieg liege allerdings unter den Erwartungen, sagte Hälg. Vor einem Jahr hatte die Konzernleitung noch ein Wachstum von 5 Prozent angepeilt.

Karbonfasern knapp

Die Industriesparte musste einen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent auf 343,5 Mio. Fr. hinnehmen. Hier zeigt sich der Umsatzrückgang durch das verkaufte Fasertechnologie-Geschäft. Zudem litt die Sparte unter der Knappheit an Karbonfasern. «Wir hätten wesentlich mehr ausliefern können», sagte Wehrli im Hinblick auf die starke Nachfrage durch Windkraftanlagen.

Dagegen legte die Medizinaltechniksparte um 12,8 Prozent auf 246,9 Mio. Fr. zu. So erfreulich das Wachstum sei, es liege leicht unter den Erwartungen, sagte Wehrli. Einige US-Kunden hätten ihre Lager bereinigt und deshalb weniger bei Gurit-Heberlein eingekauft.

Diese Sparte soll unter dem Namen Medisize Holding AG im Verlauf des Sommers ausgegliedert und an die Schweizer Börse SWX gebracht werden. Medisize-Chef Jerry Sullivan peilt einen Umsatz von gut 260 Mio. Fr. und einen Betriebsgewinn (EBIT) von über 32 (Vorjahr: 30,2) Mio. Fr. an.

Nach der Aufteilung wird sich die neue Gurit ausschliesslich auf Hochleistungsverbundwerkstoffe konzentrieren, die für Rotoren von Windkraftanlagen, im Innenausbau von Airbus-Flugzeugen oder für Ski-Beschichtungen eingesetzt werden. Der Turnaround des Bereichs, der 2006 einen Umsatz von über 315 Mio. Fr. und einen EBIT von rund 18 Mio. Fr. ereichen solle, zeichne sich ab, hiess es. (sda)

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