Aktualisiert 30.11.2011 09:48

Rückschlag für Forschung

«Chemisches Kondom» kein Schutz vor Aids

Ein Gel, das Frauen beim Sex vor einer HIV-Infektion schützen sollte, ist wirkungslos. Die amerikanischen Behörden haben deshalb den Abbruch einer Studie zum Gel beschlossen.

Weltweit leben rund 34 Millionen Menschen mit dem Aidsvirus HIV. Am grössten ist das Problem in Afrika.

Weltweit leben rund 34 Millionen Menschen mit dem Aidsvirus HIV. Am grössten ist das Problem in Afrika.

Es ist ein Rückschlag im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Ein vielversprechendes Gel, das Frauen beim Sex vor einer HIV-Infektion schützen sollte, hat sich nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH als wirkungslos erwiesen. Sie teilte mit, sie habe den Abbruch der Studie mit dem «chemischen Kondom» beschlossen. Der Hauptgeldgeber der Untersuchung, das NIH-Institut für Aids und andere Infektionskrankheiten (NIAID), befürwortete den Stopp.

Es gibt bisher keine Erklärung dafür, warum das Gel mit dem Wirkstoff Tenofovir nach anfänglich positiven Ergebnissen nun so enttäuschend abschnitt. Das «chemische Kondom» wird vor dem Sex in die Scheide eingeführt. In einer südafrikanischen Pilotstudie war das Ansteckungsrisiko mit HIV dadurch um knapp 40 Prozent gesunken.

Identisches Infektionsrisiko

Die jüngsten Daten ergaben jedoch, dass sich etwa sechs Prozent der Gel-Benutzerinnen trotz Schutz beim Sex mit dem Aidserreger HIV ansteckten. Diese Zahl war identisch mit dem sechsprozentigen Infektionsrisiko von Frauen in der Kontrollgruppe, die statt des Tenofovir-Gels ein wirkungsloses Placebo anwandten.

Wegen der ebenfalls enttäuschenden Ergebnisse war laut NIH im September schon die Studie mit Tabletten eingestellt worden, die Tenofovir, den gleichen Wirkstoff wie im Gel, enthielten. Nicht betroffen von dem Stopp sind Studien, die Tenofovir-Tabletten zusammen mit dem Aidsmittel Truvada (Wirkstoff Emtricitabin) geben.

Alle drei Experimente (Tenofovir-Gel, -Tabletten sowie die Tabletten mit Truvada) gehören zur Voice-Studie (Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic). Sie hatte im September 2009 an über 5000 nicht infizierten Afrikanerinnen in Südafrika, Uganda und Simbabwe begonnen.

Frustrierende Suche

An den Versuchen mit dem «chemischen Kondom» waren etwa 2000 Frauen beteiligt. Das endgültige Ergebnis aller Voice-Untersuchungen wird Anfang 2013 erwartet. Forscher in aller Welt suchen seit rund zwei Jahrzehnten nach einem Weg, der Frauen einen selbstbestimmten Schutz vor Aids geben würde.

Schon vor Tenofovir hatten elf Studien mit sechs verschiedenen Mikrobizid-Kandidaten keinen oder nur geringen Erfolg gehabt. Das Vaginalgel «Pro 2000» etwa schien zunächst das Infektionsrisiko deutlich zu senken. In einer grossen Studie mit mehr als 9000 Frauen in vier afrikanischen Ländern zeigte es letztlich jedoch keinerlei Schutzwirkung. (sda)

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