Champions League: Chicharito ballert Real in den Halbfinal

Aktualisiert

Champions LeagueChicharito ballert Real in den Halbfinal

Der als Fehltransfer titulierte Javier Hernandez schiesst Real Madrid zu einem 1:0-Sieg im Stadtderby gegen Atlético. Arda Turan sieht Gelb-Rot.

von
als
1 / 10
22. April 2015
22. April 2015

Gegen den Stadtrivalen ist es besonders schön: Real Madrid schlägt Atlético im heimischen Bernabéu 1:0 und zieht in den Halbfinal der Champions League ein.

AFP/Gerard Julien
Die Königlichen waren über weite Strecken die bessere Mannschaft, hatten gegen die kampfstarke Truppe von Diego Simeone aber einen schweren Stand.

Die Königlichen waren über weite Strecken die bessere Mannschaft, hatten gegen die kampfstarke Truppe von Diego Simeone aber einen schweren Stand.

Keystone/Juanjo Martin
Die entscheidende Szene: Der verwarnte Arda Turan trifft Sergio Ramos bei einem Zweikampf...

Die entscheidende Szene: Der verwarnte Arda Turan trifft Sergio Ramos bei einem Zweikampf...

Keystone/Juanjo Martin

Ein Tor in 180 Minuten genügte Real Madrid im Stadt-Duell gegen Atlético zum Vorstoss in die Runde der letzten vier der Champions League. Der Mexikaner Hernandez erzwang spät die entscheidende Differenz.

In der 88. Minute fand Javier Hernandez endlich den Weg zum von der Real-Gemeinde lange ersehnten Glücksmoment: Cristiano Ronaldo, zuvor für seine Verhältnisse eher dezent, ebnete mit einem energischen Dribbling und dem perfekten Querpass den Pfad zur fünften Halbfinal-Qualifikation in Serie.

Atlético verliert das entscheidende achte Derby

Sieben Derbys hatte in dieser Saison Atlético geprägt, aber das entscheidende verloren die Colchoneros wie im letzten Mai im Endspiel gegen den Titelhalter. Der letzte Eindruck bleibt haften. Reals unerhörte Konstanz auf höchstem europäischen Niveau und eben auch das Image der «kleinen» Madrilenen, trotz eines beeindruckenden Aufstiegs seit der Amtsübernahme von Diego Simeone in den grossen Momenten mutlos aufzutreten.

Carlo Ancelotti sagte einmal über den unbequemen Stadtrivalen: «Atlético spielt, wie Simeone gespielt hat: hart, konzentriert und taktisch perfekt.» Sein Entwurf des Kontrahenten stimmte auch im achten Duell der Saison. Die Gangart war unverkennbar so, wie sie sich der Leader «Màximo» an der Linie ausnahmslos wünscht: immer im Grenzbereich, knapp am Limit des Tolerierbaren.

In der ersten halben Stunde hatten die eindimensionalen Gäste mehr Ellbogentreffer im Gesicht der Gegenspieler angebracht, als auf das Tor von Casillas geschossen. Dem deutschen Schiedsrichter Brych entglitt die Partie gleichwohl nicht. Er dämmte den Testosteronspiegel mit seiner smarten Leitung immer wieder auf erträgliche Ausmasse ein.

Arda Turan und das spielentscheidende Foul

Turan indes war nicht zu bremsen - der (zu) energische Türke leistete sich in der 76. den einen Tritt gegen Sergio Ramos zu viel. Ohne ihren Schwerarbeiter, das war sofort klar, würde Simeones ohnehin schon überaus destruktive Mannschaft vollumfänglich zur Flucht ins eigene Territorium ansetzen.

Auf dem Hauptschauplatz führte Real generell die feinere Klinge. Die erheblichen Ausfälle von Bale, Benzema, Marcelo und Modric kompensierte Ancelottis Auswahl gut. Den spielerisch überdurchschnittlichen Abwehrpatron Sergio Ramos quasi als defensiver Stellvertreter des verletzten Spielmachers Modric ins Mittelfeld vorzuziehen, war ein cleverer Schachzug des italienischen Maestros.

Der Champions-League-Sieger verschaffte sich früh deutliche optische Vorteile, weitgehend sorgte Chicharito Akzente. Der unberechenbare Mexikaner mit seiner unverkennbaren Dynamik beschäftigte den slowenischen Keeper Jan Oblak gleich mehrfach.

Zu mutloser Auftritt des Arbeitervereins

Atlético hatte im Santiago Bernabéu schon vor dem Ausschluss von Turan vorwiegend den unattraktiven Part des aggressiven Spielverderbers übernommen. An einem unkontrollierten Schlagabtausch mit dem zwar dezimierten, aber nach wie vor von einem mehrfachen Weltfussballer angeführten Ensemble war Simeones Ball-Arbeiter selbstredend nie interessiert.

Und als Real sich spät eben doch einmal durch die dichten Reihen kombinierte, blieb dem Herausforderer weder Zeit noch Klasse zur angemessenen Reaktion. Unter höchsten Druck war er nicht mehr in der Lage, von seinem Kurs abzuweichen. Er bezahlte für seinen enttäuschenden Auftritt und die Strategie, praktisch nichts zu riskieren, den entsprechenden Preis.

Für Atlético wiederholte sich so eine unschöne Geschichte. Im letzten Frühling waren die Rojiblancos kurz vor dem Höhepunkt ihrer Vereinsgeschichte gestoppt worden - das 1:4 im CL-Endspiel gegen Real tat mehr weh als jede andere Finalniederlage. Und nun versperrte der Koloss mit den königlichen Zügen den Widerborstigen aus der etwas anderen Gesellschaftsschicht erneut das Portal zu Ruhm und Ehre.

Dass sie trotz beträchtlicher Transfers - Chelsea übernahm im Sommer die Leaderfiguren Diego Costa, den Keeper Courtois und Filipe Luis - erneut bis in die Viertelfinals der CL vorstiessen, ist respektabel und spricht für die Arbeit des Taktgebers Simeone. Mit ihrer Spielart hingegen gewannen sie keine weiteren Sympathiepunkte.

Zum Liveticker im Popup

Real Madrid - Atlético Madrid 1:0 (0:0)

80'354 Zuschauer (ausverkauft). - SR Brych (De).

Tor: 88. Hernandez (Cristiano Ronaldo) 1:0.

Real Madrid: Casillas; Carvajal, Pepe, Varane, Coentrão (91. Arbeloa); James Rodriguez, Ramos, Kroos, Isco (93. Illarramendi); Hernandez (92. Jesé), Cristiano Ronaldo.

Atlético Madrid: Oblak; Juanfran, Miranda, Godin, Gàmez; Turan, Tiago (86. Gimenez), Koke, Saul Niguez (46. Gabi); Mandzukic, Griezmann (65. Raul Garcia).

Bemerkungen: Real ohne Marcelo (gesperrt), Modric, Benzema, Bale (alle verletzt), Atlético ohne Suarez (gesperrt). 76. Gelb-Rot gegen Turan (Foul).

Verwarnungen: 31. Turan (Foul), 74. Raul Garcia (Foul), 74. Pepe (Unsportlichkeit), 93. Arbeloa, 94. Koke (beide Foul).

SRF2

SRF2

Deine Meinung