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Chinesische Firma«Chief Pornography Officer» gesucht

Eine chinesische Sicherheitsfirma sucht jemanden, der das Internet nach Pornos durchkämmt. Kritiker sehen das, was der eine oder andere als Traumjob ansehen könnte, als Symptom des chinesischen Zensurwahns.

von
rey

Es dürfte der Traum vieler Männer sein: Ein chinesisches Unternehmen sucht einen «Chief Pornographic Identification Officer», der das Internet nach schmuddligen Inhalten absucht. Die Firma Anquan Lianmeng (deutsch: Sicherheits-Allianz) hat es sich auf die Fahne geschrieben, moralische und sicherheitspolitische Standards beim Internetzugang von Chinesen durchzusetzen.

Mindestens 5000 Leute sollen sich auf die Stelle in Peking beworben haben, schreibt «China Daily». Yang Jilong, Personalchef sagt, wenig überraschend, die Stelle sei die beliebteste momentan ausgeschriebene. Viele der Interessenten für den Job, bei dem man umgerechnet 30'000 Franken im Jahr verdient, kämen aus dem Ausland.

Jeden Tag Früchte und Joghurt

Das ergibt durchaus Sinn, denn ein Grossteil des zu sichtenden Materials stammt von Europa, den USA und Japan. So sind Fremdsprachenkenntnisse auch unabdingbar. Andere Voraussetzungen sind gemäss Stelleninserat fundiertes Wissen der chinesischen Pornografie-Gesetze, ein starkes Verantwortungsgefühl und Teamfähigkeit.

Die Hauptaufgabe des «Chief Pornographic Identification Officer» ist es, «schnell und genau pornografische Webseiten zu identifizieren». Zu den weiteren Tätigkeiten gehören die Sichtung von verdächtigen Bildern und Videos, das Aufstellen von Kriterien zum Einstufen von Obszönität und die Herstellung von Kursunterlagen zum Thema.

Zu den Leistungen gehört eine Versicherung, Verpflegung, Transportkosten, Geburtstags-Boni, ein jährlicher Gesundheits-Check-Up, und – ganz wichtig: Jeden Tag Früchte und Joghurt. Wer kann da noch Nein sagen?

Privatwirtschaft springt auf Geschäft mit Zensur auf

Das Angebot löst nicht nur Begeisterung aus. So warnt eine Kolumnistin im britischen «Telegraph», es sei der jüngste Versuch der Chinesen, das «Internet zu zensieren». Während die Regierung mit der sogenannten Grossen Firewall das Netz einschränkt, würde nun auch die Privatwirtschaft auf das lukrative Geschäft der Zensur aufspringen.

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