Chimik demontiert das Team Canada
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Chimik demontiert das Team Canada

Nach zwei hohen Niederlagen in Serie spielte Chimik beim Spenglercup erstmals gross auf. Die von A bis Z dominanten Russen deklassierten das chancenlose Team Canada nicht zu hoch 5:0.

Mit einiger Verspätung hat das russische Eisballett die Offensivproduktion am Spenglercup 2006 aufgenommen. Chimik Mytischtschi deklassierte das vorher verlustpunktlose Team Canada 5:0 (3:0, 2:0, 0:0) und rehabilitierte sich damit für die beiden ersten klaren Niederlagen.

Dass der Dritte der russischen Meisterschaft nicht so schwach sein kann, wie es die Zwischenbilanz nach 120 Minuten (null Punkte, 1:9 Tore) hätte vermuten lassen, war klar. Gestern folgte nun der theoretischen Vermutung, die in der leichten Steigerung beim 1:4 gegen die Eisbären begründet war, auch die praktische Bestätigung.

Den Grundstein zur Demontage der Kanadier, denen der spielfreie Familientag am Vortag definitiv nicht gut getan hatte, legten die Russen mit drei Treffern in den ersten 19 Minuten. Beim Führungstor erhielten sie allerdings Schützenhilfe: Gottéron-Verteidiger Shawn Heins bugsierte die Scheibe nach einem Abpraller auf einen Schuss von Alexej Sirokow ins eigene Netz (5.). Danach bewiesen die Russen noch vor Drittelsende zweimal bislang ungewohnte Effizienz: Sergej Mozjakin, letztes Jahr bester Torschütze der Superliga, traf mit einem platzierten Hocheckschuss (16.), anschliessend zog der langjährige Internationale und Nordamerika-Legionär Petr Schastliwyy nach einem Fehler des hüftsteifen Jay Harrison davon und vollendete mit brillantem Abschluss zum 3:0 (20.).

Pat Quinns Weckruf an die Mannschaft in Form eines Goaliewechsels - Adam Munro für den an den Gegentreffern schuldlosen Devan Dubnyk - verhallte unerhört. Im Gegenteil: Das russische Ensemble spielte anschliessend zum Kasatschok auf und archivierte die Partie schon früh mit zwei der schönsten Treffer des Turniers: Sergej Sewostjanow schloss eine herrliche Kombination über drei Stationen und auf Pass von Bruder Michail zum 4:0 ab (26.), beim 5:0 tanzte Doppeltorschütze Sirokow den Gottéron-Keeper Munro schwindlig. In der Folge brachten die mit 15 NLA-Spielern angetretenen Kanadier trotz deutlichen Vorteilen beim Schussverhältnis (41:30) die Null nicht mehr weg und so wurde die zweite Kanterniederlage in Folge gegen eine russische Vertretung (nach dem 3:8 im Vorjahresfinal gegen Metallurg Magnitogorsk) Tatsache.

«Logische» russische Steigerung

Stürmer Ilja Worobjew brachte die russische Befindlichkeit auf den Punkt, nachdem das Team die verdienten Ovationen der 6543 Fans entgegen genommen hatte: «Wir waren nach den ersten beiden Niederlagen sehr sauer auf uns selber. Auch mein Vater und Coach war sehr verärgert. Heute wollten wir allen beweisen, dass wir auch besser spielen können und wir haben es allen bewiesen.» Während die russische Metamorphose innert 16 Stunden bei vielen Betrachtern basses Erstaunen erlöste, war sie für Jason Doig keine grosse Überraschung. Der athletische Verteidiger-Hüne des Team Canada, der 158 NHL-Spiele auf dem Buckel hat, spielt seit einigen Wochen hinter dem Ural für Traktor Tscheljabinsk, den Drittletzten der russischen Liga: «Ich habe das Team von Chimik zu den grossen Turnierfavoriten gezählt. Bei der Anreise waren sie sicher noch müde. Heute waren sie nun im Stolz verletzt und zudem sind Duelle zwischen kanadischen und russischen Teams nach wie vor etwas sehr Spezielles. Sie haben sehr gut gespielt und wir haben es ihnen am Anfang bei einigen Toren auch sehr leicht gemacht.»

Die Mär von der Defensivliga

In Russlands Superliga enden rund achtzig Prozent der Partien mit typischen Fussball-Resultaten, die Fans können zumeist nur ganz wenige Tore bejubeln. Auf Offensivspektakel müssen sie aber gemäss dem dunkelhäutigen Mann aus Montreal nicht verzichten: «Im Gegenteil, es gibt unglaublich viele Torszenen. Zwei Faktoren führen meiner Meinung nach zu den wenigen Treffern: Erstens spielen die Goalies überragend, beinahe jedes Team hat einen kanadischen Keeper. Und zweitens sind die russischen Spieler technisch enorm stark, wollen aber immer die Scheibe ins Tor tragen. Sie suchen immer den perfekten Spielzug. Es gibt praktisch nur wunderbare Tore oder dann versandet die Aktion. Sogenannte hässliche Tore gibt es eigentlich nicht.»

Die Kanadier waren die Leidtragenden der russischen Steigerung. Doig hofft auf den heilsamen Effekt: «Jede Niederlage schmerzt, solche gegen russische Teams ganz besonders. Hoffentlich ziehen wir für den restlichen Turnierverlauf die richtigen Lehren daraus.»

Chimik Mytischtschi - Team Canada 5:0 (3:0, 2:0, 0:0)

Eisstadion. - 6543 Zuschauer. - SR Rönn, Mauron/Wirth.

Tore: 5. Sirokow (Leschtschew) 1:0 (Eigentor Heins). 16. Mozjakin 2:0. 20. Schastliwyy 3:0. 26. Sergej Sewostjanow (Michail Sewostjanow) 4:0. 36. Sirokow (Leschtschew/Ausschluss Herperger) 5:0.

Strafen: 7mal 2 plus 10 Minuten (Homitski) gegen Mytischtschi, 6mal 2 Minuten gegen Canada.

Chimik Mytischtschi: Barulin; Dimitri Bykow, Balandin; Homitski, Semjenow; Titow, Puyats; Metljuk, Kosmatschew; Michail Sewostjanow, Sergej Sewostjanow, Boykow; Leschtschew, Sirokow, Mozyakin; Buljanski, Pavel Worobjew, Schastliwyy; Krikunow, Ilja Worobjew, Pronin.

Team Canada: Dubnyk (21. Munro); Heins, Harrison; Doig, Syvret; Strudwick, Scalzo; Bright; Jamie Wright, Kolanos, Law; Gardner, Pittis, Maneluk; Tyler Wright, Roest, Herperger; Reid, Brent, Holden; Murovic.

Bemerkungen: 34. Pfostenschuss Schastliwyy. 46. Lattenschuss Reid.

Rangliste: 1. Team Canada 3/4 (10:11). 2. Davos 3/4 (11:8). 3. Mora IK 3/3 (9:8). 4. Eisbären Berlin 2/2 (5:5). 5. Chimik Mytischschi 3/2 (6:9). (si)

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