18.01.2017 09:42

Nestlé-Kopien

China hebt 50 Fälscher-Fabriken für Gewürze aus

Im chinesischen Tianjin ermitteln die Behörden gegen Dutzende Betriebe, die Gewürze und Saucen namhafter Marken kopieren – darunter Nestlé und Maggi.

von
mlr
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Chinesische Fälscher haben über Jahre Saucen und Gewürze bekannter Marken gefälscht, darunter Produkte von Nestlé, Knorr und Maggi.

Chinesische Fälscher haben über Jahre Saucen und Gewürze bekannter Marken gefälscht, darunter Produkte von Nestlé, Knorr und Maggi.

Screenshot «Bejing News»
Die Produkte wie Sojasaucen, Essig und Gewürze werden in der chinesischen Küche häufig verwendet. Die Fälscher setzten in ihrer Ware bedenkliche Stoffe wie etwa Industriesalz ein.

Die Produkte wie Sojasaucen, Essig und Gewürze werden in der chinesischen Küche häufig verwendet. Die Fälscher setzten in ihrer Ware bedenkliche Stoffe wie etwa Industriesalz ein.

Keystone/AP/Huang huo
Zu den gefälschten Waren sollen Produkte von Maggi (Nestlé) und Knorr (Unilever) gehören, berichtet «Beijing News».

Zu den gefälschten Waren sollen Produkte von Maggi (Nestlé) und Knorr (Unilever) gehören, berichtet «Beijing News».

Keystone/Gaetan Bally

In China sind fast 50 Fabriken aufgeflogen, die in grossem Stil gefälschte Gewürze und Saucen unter dem Namen bekannter Marken produziert haben sollen. Wie der Sender BBC unter Berufung auf «Beijing News» berichtet, waren die Produkte als Nahrungsmittel von Nestlé, Maggi, Knorr und populären asiatischen Markennamen gekennzeichnet.

Die chinesischen Behörden ermitteln gegen die Betriebe in der Nähe der Hafenstadt Tianjin im Nordosten Chinas. «Beijing News» zufolge nutzen die Werke bei der Herstellung von gefälschten Produkten wie Sojasauce, Hühnerbrühe oder Essig nicht zugelassene Zutaten wie Industriesalz oder bestimmte Farbstoffe.

Whistleblower gab Tipp

Die China Food and Drug Administration (CFDA) gab am Montagabend bekannt, sie habe Ermittler nach Tianjin entsandt, um die Vorfälle zu untersuchen. Die 50 kleinen Fälscher-Fabriken konnten in der Kleinstadt Duliu nahe Tianjin offenbar mehr als zehn Jahre lang unbehelligt Ware produzieren. Jährlich setzten die Werke Produkte im Wert von umgerechnet mehr als 14 Millionen Franken ab. Aufmerksam auf die Fälscher wurden Lokalreporter und Polizei in der vergangenen Woche, nachdem sie einen Hinweis von einem Whistleblower bekommen hatten.

Die Journalisten dokumentierten, wie Arbeiter in schmutzigen Schuppen Waren verpackten, mit Gartenschläuchen und anderen behelfsmässigen Utensilien hantierten. Neben Industriesalz seien auch recyclierte Nebenprodukte anderer Fabriken sowie der nur unter strengen Auflagen erlaubte Süssstoff Cyclamat zum Einsatz gekommen, berichtet BBC.

Nestlé unterstützt Behörden

Der Konzern Nestlé, zu dem auch Maggi gehört, ist sich des Problems bewusst, betont jedoch, dass sich die Fälschungen derzeit auf China beschränkten und keine anderen Länder beträfen. «Nestlé China arbeitet eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um die Fälscher zu identifizieren und Massnahmen zu ergreifen, um unsere Konsumenten zu schützen», sagt eine Sprecherin gegenüber 20 Minuten. Experten des Unternehmens unterstützten die Behörden dabei, echte Nestlé-Produkte von gefälschten zu unterscheiden, heisst es weiter. Auch chinesische Hersteller haben gemäss «Beijing News» ihre Zusammenarbeit mit den Behörden angekündigt.

Der Gewürz-und-Saucen-Skandal ist nicht der erste Nahrungsmittel-Skandal in China. Im Jahr 2014 kam heraus, dass ein chinesischer Fleischlieferant Fast-Food-Ketten wie McDonalds oder KFC mit neu verpacktem alten Fleisch belieferte. 2015 beschlagnahmten die Behörden 100'000 Tonnen Schmuggel-Fleisch, das zum Teil mehr als 40 Jahre alt war. Im Jahr 2008 hielt der Babymilch-Skandal das Land in Atem. Damals starben acht Säuglinge an verseuchtem Milchpulver, Tausende Babys mussten in Spitälern behandelt werden.

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