21.10.2016 19:34

Präsident DuterteChina ist nicht mehr Feind, sondern Freund

Noch vor wenigen Wochen war die Beziehung zwischen den Philippinen und China frostig. Nun flirten die beiden Staaten heftig miteinander.

von
vbi
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Die Beziehung zwischen den Philippinen und China war seit langem kompliziert. Nun reichen sich der philippinische Präsident Duterte (links) und der chinesische Präsident Xi Jinping die Hand. (20. Oktober 2016)

Die Beziehung zwischen den Philippinen und China war seit langem kompliziert. Nun reichen sich der philippinische Präsident Duterte (links) und der chinesische Präsident Xi Jinping die Hand. (20. Oktober 2016)

/Pool
Als China das von den Philippinen beanspruchte Scarborough-Riff (in China als chinesische Huangyan-Insel bekannt) 2012 annektierte, erreichte die Beziehung einen Tiefpunkt. Nun reden Präsident Duterte (links) und Chinas Vizepräsident Zhang Gaoli freundschaftlich miteinander. (20. Oktober 2016)

Als China das von den Philippinen beanspruchte Scarborough-Riff (in China als chinesische Huangyan-Insel bekannt) 2012 annektierte, erreichte die Beziehung einen Tiefpunkt. Nun reden Präsident Duterte (links) und Chinas Vizepräsident Zhang Gaoli freundschaftlich miteinander. (20. Oktober 2016)

AFP/wu Hong
Es sei an der Zeit, sich von den USA zu trennen und sich mehr nach China auszurichten, liess Rodrigo Duterte (links) diese Woche verlauten. Hier schüttelt er die Hand von Chinas Premierminister Li Keqiang. (20. Oktober 2016)

Es sei an der Zeit, sich von den USA zu trennen und sich mehr nach China auszurichten, liess Rodrigo Duterte (links) diese Woche verlauten. Hier schüttelt er die Hand von Chinas Premierminister Li Keqiang. (20. Oktober 2016)

wu Hong

Im Rennen um die philippinische Präsidentschaft zeigte sich der spätere Sieger Rodrigo Duterte im letzten Sommer als Nationalist. So hatte er beispielsweise angekündigt, er werde mit Jetskis auf die von China besetzten Inseln im Südchinesischen Meer fahren und dort die philippinische Flagge hissen, wie die «NZZ» schreibt.

Diese Woche nun besuchte Duterte den eigentlichen Feind in Peking und zeigte sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Es sei an der Zeit, sich von den USA zu trennen und sich mehr nach China auszurichten, liess er verlauten.

Das, obwohl Amerika bisher der wichtigste Bündnispartner der Philippinen war. China nimmt Dutertes Freundschaftsanfrage gern an. Den Machthabern in Peking geht es um die Vormachtstellung im Südchinesischen Meer. China erhofft sich, mithilfe des neuen Verbündeten die Machtstellung der Amerikaner in der Region zu erschüttern.

«Hurensohn»-Aussetzer – Obama sagt Treffen ab

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte beschimpft US-Präsident Barack Obama als «Hurensohn».

Den Haag gab den Philippinen recht

Dass die Philippinen und China sich nun so gut verstehen, ist ungewöhnlich. 2012, als China das von den Philippinen beanspruchte Scarborough-Riff (in China als chinesische Huangyan-Insel bekannt) annektierte, erreichte die Beziehung einen Tiefpunkt. Philippinische Fischer haben seither keinen Zugang mehr zum Gebiet, berichtet die «NZZ».

Der ehemalige Präsident Benigno Aquino, Dutertes Vorgänger, wandte sich deswegen an ein Schiedsgericht in Den Haag. Dieses gab am 12. Juli 2016 den Philippinern in praktisch allen Punkten recht. China wollte das Urteil nicht akzeptieren, drohte gar mit einer Verteidigungszone.

Regierung versucht den Schaden zu begrenzen

Nun kommt es also zu einer Wende. Aus dem chinesischen Feind wurde ein Freund, und die USA sind nach Dutertes Äusserungen irritiert. Washington forderte am Donnerstag gar eine Erklärung von den Philippinen.

Die philippinische Regierung versucht, den Schaden zu begrenzen. Sie teilte am Freitag mit: «Wir werden weiter Beziehungen zum Westen unterhalten, aber wir wollen eine engere Integration mit unseren Nachbarn.» Und Handelsminister Ramon Lopez sagte dem Sender CNN: «Natürlich werden wir nicht Handel und Investitionen mit dem Westen stoppen, vor allem nicht mit den USA.»

Duterte hingegen poltert weiter. Wie «Bild» schreibt, hat er im Rahmen des Staatsbesuchs in China gesagt: «Vielleicht gehe ich auch nach Russland und sage (Präsident Wladimir) Putin, dass nun drei von uns gegen den Rest der Welt stehen: China, die Philippinen und Russland.»

(vbi/sda)

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