Todesstrafe: China schweigt zu Hinrichtungen
Aktualisiert

TodesstrafeChina schweigt zu Hinrichtungen

China behandelt die Todesstrafe als Staatsgeheimnis. Amnesty International hat sich deshalb erstmals geweigert, in ihrer jährlichen Statistik Zahlen zu China zu veröffentlichen.

von
pbl
Chinesische Polizisten führen verurteilte Drogenhändler zur Hinrichtung (Aufnahme von 2002).

Chinesische Polizisten führen verurteilte Drogenhändler zur Hinrichtung (Aufnahme von 2002).

Die Menschenrechtsorganisation gehe davon aus, dass auch 2009 in China Tausende Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet würden, sagte Amnesty-Schweiz-Mediensprecher Daniel Graf gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Das wahre Ausmass bleibt aber nach wie vor ein Staatsgeheimnis.»

Anlässlich der Veröffentlichung des neusten Berichts forderte Amnesty die Regierung in Peking auf, die Angaben über Todesurteile und Hinrichtungen zu veröffentlichen. 2008 hatte Amnesty in China 1718 Fälle dokumentiert, was 70 Prozent aller Hinrichtungen weltweit ausmachte. Ohne China wurden laut Amnesty im letzten Jahr mindestens 714 Menschen in 18 Ländern hingerichtet. Das sind 42 mehr als 2008. Mehr als 2000 Menschen wurden in 56 Ländern zum Tode verurteilt.

Iran tötet Oppositionelle

In China wie auch im Iran und im Sudan werde die Todesstrafe oft auch zu politischen Zwecken eingesetzt, kritisiert Amnesty. Auffallend zugenommen hätten die Hinrichtungen im Irak und im Iran. Während den acht Wochen zwischen der iranischen Präsidentschaftswahl und der Beginn der zweiten Amtszeit von Mahmud Ahmadinedschad fanden mit 112 Fällen ausserordentlich viele Hinrichtungen statt, wie Graf erklärte. Während des ganzen Jahres waren es mindestens 388.

Im Irak wurden 90 Todesurteile mehr erstreckt als im Vorjahr. Als Grund wurden terroristische Aktivitäten angegeben. Gesamthaft starben im Irak mindestens 120 Menschen. Iran und Saudi-Arabien sind zudem die einzigen Länder, die sogar Minderjährige hinrichteten, heisst es in dem Bericht weiter.

Immer mehr ohne Todesstrafe

Ein positiver Trend ist, dass immer mehr Länder der Todesstrafe abschwören. 139 Staaten haben bisher die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft - letztes Jahr strichen Burundi und Togo die Kapitalstrafe vollständig aus ihren Gesetzesbüchern. «Weniger Länder als je zuvor vollstrecken heute die Todesstrafe», sagte Graf.

Am gängigsten sind Hinrichtungen in Asien, wo neben China in sieben Ländern (Bangladesch, Japan, Malaysia, Nordkorea, Singapur, Thailand und Vietnam) 26 Exekutionen bekannt wurden. Afghanistan, Pakistan, Indonesien und die Mongolei führten 2009 erstmals keine Hinrichtungen aus.

Im Nahen Osten und Nordafrika gab es 624 ausgeführte Todesstrafen (Ägypten, Irak, Iran, Jemen, Libyen, Saudi-Arabien, Syrien). Auf dem Doppelkontinent Amerika richteten ausschliesslich die USA 52 Menschen hin. In Europa und Zentralasien fand 2009 keine Hinrichtung statt. Im März 2010 wurden jedoch in Weissrussland zwei Menschen exekutiert. (pbl/sda)

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