Aktualisiert 26.07.2011 13:21

Erkundungstour

China sucht Rohstoffe in 5057 Meter Tiefe

Mit dem bemannten U-Boot «Jiaolong» will China tief unter dem Meeresspiegel neue Erdschätze finden. Damit ist das Schwellenland aber nicht allein.

Das bemannte U-Boot sucht 5000 Meter tief im Meer nach Rohstoffen.

Das bemannte U-Boot sucht 5000 Meter tief im Meer nach Rohstoffen.

Auf der Suche nach Rohstoffen hat China jetzt auch den Meeresboden im Visier. Ein modernes chinesisches Tauchboot dringt in die dunklen Tiefen des Pazifiks vor. Auch sichert sich die zweitgrösste Wirtschaftsmacht bereits Erkundungsrechte für Lagerstätten.

Im internationalen Wettrennen um die Rohstoffe in der Tiefsee hat China einen grossen Sprung nach vorn gemacht: Ein bemanntes chinesisches Tauchboot erreichte am Dienstag eine Meerestiefe von 5057 Metern, wie die staatliche Ozeanverwaltung (SOA) laut der Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Die nach einem mystischen Seedrachen benannte «Jiaolong» mit drei Mann Besatzung tauchte nach einem vierstündigen Tauchgang erfolgreich wieder auf. Das 2002 gestartete Tauchprojekt 863, das jetzt sogar die Fähigkeiten der USA übersteigt, gehört zu einem ehrgeizigen Programm Chinas zur Erkundung von Mineralien am Meeresboden.

Neuer Versuch 2012

Nach Japan, den USA, Frankreich und Russland ist China jetzt die fünfte Nation, die derzeit Menschen in eine Tiefe von mehr als 3500 Meter schicken kann. Die 8,2 Meter lange und 22 Tonnen schwere «Jiaolong» ist sogar für eine Tiefe bis zu 7000 Meter ausgelegt, was aber erst 2012 versucht werden soll.

China will dann das japanische Tauchboot «Shinkai» übertreffen - das gegenwärtig einzige, das 6500 Meter tief taucht. Den Weltrekord hält allerdings seit fünf Jahrzehnten unangefochten der Schweizer Forscher Jacques Piccard, der 1960 mit der «Trieste» 11 000 Meter tief auf den Boden des Mariannengrabens im Westpazifik tauchte.

Während die Investitionen der USA in die Tiefseeforschung nachlassen, drängen Schwellenländer wie China vor. In den Tiefen des Meeres gibt es Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Nickel oder Kobalt. Sie sind in Manganknollen, kobaltreichen Krusten und polymetallischen Sulfiden zu finden.

Seltene Erden

Auch gibt es Vorkommen sogenannter Seltener Erde. Diese Spezialmetalle werden besonders für Hightech-Produkte benötigt. Zwar sind sich Experten einig, dass der Abbau in der Tiefsee schwierig werden dürfte, verweisen aber darauf, dass die Vorkommen mit steigenden Rohstoffpreisen und wachsendem Bedarf interessant werden können.

Umweltschützer warnen bereits vor einer Zerstörung der empfindlichen Ökosysteme in der Tiefsee und fordern ein Moratorium, um zunächst Meeresschutzgebiete zu identifizieren. Die Umweltstiftung WWF spricht von einem «hochriskanten Unterfangen».

Die Ölkatastrophe durch die Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko habe gezeigt, wie schwierig ein zuverlässiger Einsatz auch modernster Technik in der Tiefsee ist, obwohl hier «nur» in 1500 Meter Tiefe gefördert worden sei.

Erkundungsrechte

China denkt sehr langfristig. Schon 2001 sicherte es sich bei der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) die Erkundungsrechte für das Gebiet im nordöstlichen Pazifik zwischen Hawaii und Nordamerika, wo die «Jiaolong» jetzt taucht. Im südwestlichen Indischen Rücken zwischen der Südspitze Afrikas und der Antarktis darf China zudem nach polymetallischen Sulfiden suchen.

Solche Schwefelverbindungen entstehen in grosser Tiefe an «Schwarzen Rauchern». Dort schiesst heisses und mit Mineralstoffen angereichertes Wasser aus der Erdkruste und kühlt sich im kalten Ozean plötzlich ab, so dass sich Ablagerungen bilden. Auch Russland hat solche Rechte gebilligt bekommen. (sda)

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