Westliche Feste: China will Weihnachten verbieten
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Westliche FesteChina will Weihnachten verbieten

Kreuze wurden entfernt, Weihnachtsfeiern in Kindergärten verboten: Dass immer mehr Chinesen Gefallen an westlichen Festtagen finden, passt den Behörden gar nicht.

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Als Engel verkleidete Kinder an einer Messe in einer katholischen Kirche in Peking am 24. Dezember 2014. Die kommunistischen Behörden würden dies am liebsten nicht mehr sehen.

Als Engel verkleidete Kinder an einer Messe in einer katholischen Kirche in Peking am 24. Dezember 2014. Die kommunistischen Behörden würden dies am liebsten nicht mehr sehen.

Keystone/AP/ng han Guan
Chinesische Katholiken an der Weihnachtsmesse.

Chinesische Katholiken an der Weihnachtsmesse.

Keystone/wu Hong
In der Provinz Zhejiang wurden in den Tagen vor Weihnachten mehr als 400 Kreuze von Kirchendächern entfernt - das Bild stammt vom Juli.

In der Provinz Zhejiang wurden in den Tagen vor Weihnachten mehr als 400 Kreuze von Kirchendächern entfernt - das Bild stammt vom Juli.

Keystone/AP/Didi Tang

Die chinesischen Behörden haben zu Weihnachten die Kontrolle nicht staatlicher Kirchengemeinden verschärft. In der ostchinesischen Provinz Zhejiang, in der es besonders viele nicht der Staatskirche angeschlossenen Gemeinden gibt, wurden in den Tagen vor Weihnachten mehr als 400 öffentlich sichtbare Kreuze entfernt. Das verlautete aus christlichen Kreisen. Einige Gebetsräume wurden vollständig zerstört.

«Sie beobachten uns sehr genau und wir können nichts machen», sagte ein Gewährsmann in der Stadt Wenzhou der Nachrichtenagentur AP. Zuvor war vom Dach des Versammlungsraums seiner Gemeinde ein Kreuz entfernt worden, das Gemeindemitglieder aus Metallstücken zusammen geschweisst und aufgestellt hatten. «Die Lage ist nicht gut», sagte der Gewährsmann weiter. »Jeder Versuch, es wieder zu errichten, wird unterbunden werden.»

Weihnachtsfeier in Kindergärten untersagt

In dieser Woche haben die Wenzhouer Behörden alle christlichen Feiern in den Kindergärten und Grundschulen der Stadt verboten. Wenzhou wird auch als das «chinesische Jerusalem» bezeichnet, weil es in der Stadt die Hälfte der rund 4000 Kirchen in der Provinz gibt.

Die Behörden wollten, «dass die Schulen traditionellen chinesischen Festen mehr Beachtung schenkten als westlichen Traditionen», schrieb die staatliche Tageszeitung «Global Times» am Donnerstag. Deswegen seien Feierlichkeiten mit «Weihnachtsbezug» untersagt.

Verhaftungen von Priestern und Gläubigen

Im vergangenen Jahr wurden die Gemeinden in Wenzhou und in Zhejiang angewiesen, die Beleuchtung an Kreuzen abzuschalten. Wenige Monate später wurden sie aufgefordert, die Kreuze ganz zu entfernen, andernfalls würden die Gemeinderäume abgerissen. Es gab Proteste, blutige Zusammenstösse und Verhaftungen von Priestern und Kirchgängern.

Im August wurden Pfarrer und Theologen in Peking au einem Seminar angewiesen, den christlichen Glauben «an China anzupassen». Damit wird das Unterordnen unter den Herrschaftsanspruch der Kommunistischen Partei umschrieben.

Mehr Christen als Kommunisten?

In China gibt es nach amtlichen Angaben 23 Millionen Christen. Einige unabhängige Wissenschaftler schätzen die Zahl der Christen auf bis zu 100 Millionen. Das würde die Zahl der Mitglieder der Kommunistischen Partei übertreffen, die mit 85 Millionen angegeben wird.

Landesweit nimmt zudem das Interesse an westlichen Festen immer weiter zu. Gerade die Weihnachtszeit wird bevorzugt für Einkäufe genutzt und beschert Geschäftsleuten hohe Umsätze. (sda)

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