Chinarestaurant: Kronzeuge tot - Mädchen lebt
Aktualisiert

Chinarestaurant: Kronzeuge tot - Mädchen lebt

Nach dem Mord an 7 Asiaten in einem chinesischen Restaurant in Nordeutschland tappt die Polizei nach wie vor im Dunkeln. Wie durch ein Wunder soll aber ein 2-jähriges Mädchen überlebt haben.

Ein kleines Mädchen hat das Blutbad in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen überlebt. Das etwa zwei Jahre alte Kind sei derzeit in der Obhut der Polizei, wie ein Sprecher am Dienstag sagte. Rund 24 Stunden nachdem sechs Asiaten erschossen in dem Lokal gefunden worden waren, erlag in der Nacht auf Dienstag auch das siebte Opfer seinen Verletzungen. Bis zum Mittag gingen bei der Polizei mehr als 50 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Einen Zusammenhang der Tat mit der chinesischen Mafia wollten die Ermittler nicht ausschliessen.

Das kleine Mädchen wurde laut Polizeisprecher Detlev Kaldinski in der Tatnacht unverletzt geborgen. Als Zeuge komme die Kleine wegen ihres Alters aber nicht in Frage. Die Polizei hatte am Montag zunächst versucht, die Information zum Schutz des Kindes nicht öffentlich bekannt werden zu lassen. Derzeit kümmern sich die Polizei und Angehörige um das Kind.

Bei den Ermordeten soll es sich übrigens nicht um chinesische Staatsangehörige handeln, wie die Botschaft in Berlin mitteilte. Sie sollen mindestens vier verschiedenen Nationalitäten angehören. In der Nacht auf Dienstag erlag schliesslich der einzige erwachsene Überlebende der Tat im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Polizei hatte dem Mann allerdings bereits zuvor kaum Überlebenschancen ausgerechnet und nicht auf ihn als Zeugen gehofft.

Die Ermittler setzten am Dienstag die Spurensicherung in dem Restaurant fort und konzentrierten sich auf die Obduktion und Identifizierung der Opfer, die nach Polizeiangaben teilweise nach Hamburg in die Gerichtsmedizin gebracht worden waren. Ausserdem gingen sie den Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

Konkrete Hinweise auf die Täter hatten die Ermittler jedoch zunächst nicht. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass die chinesische Mafia in den Fall verwickelt sei, wie viele Medien spekulierten. «Wobei wir das natürlich auch nicht ausschliessen können», sagte Polizeisprecher Christoph Steinke. Die Ermittlungen gehen demnach aber weiter in alle Richtungen.

Besitzerehepaar unter den Opfern

Unter den ermordeten vier Männern und drei Frauen ist das Betreiber-Ehepaar des China-Restaurants. Der 36 Jahre alte Mann und seine 32 Jahre alte Frau sind nach Polizeiangaben identifiziert worden.

In der Nacht auf Montag waren in dem China-Restaurant «Lin Yue» in Sittensen sechs Leichen und ein schwer verletzter Mann gefunden worden. Die Opfer lagen laut Polizei erschossen in mehreren Räumen und waren teilweise gefesselt. Ein 47 Jahre alter Mann entdeckte das Verbrechen, als er um 00.30 Uhr seine Ehefrau aus dem Lokal abholen wollte. Die dort beschäftigte Frau war unter den Toten.

Die Gaststätte liegt im ersten Stock eines Geschäftshauses, im Erdgeschoss befinden sich Geschäfte und Büros. Das Lokal gilt als völlig unauffällig und war in dem rund 5600 Einwohner zählenden Ort sehr beliebt. Viele Bürger kamen inzwischen und legten Blumen vor das Haus oder entzündeten Kerzen.

Die Polizei richtete die Sonderkommission «Lin Yue» ein und rief das Bundeskriminalamt zu Hilfe. Einzelheiten über die Lage der Leichen und die Art der Schusswunden will die Polizei nicht veröffentlichen, da es sich um Täterwissen handele.

Die Polizei bittet alle Lokalgäste vom Sonntagabend, sich zu melden, und hat ein Hinweistelefon unter der Nummer 04261-947-304 eingerichtet.

(AP/netzeitung.de)

Deine Meinung