Folgen der Null-Covid-Politik: Chinas Exportwachstum so schwach wie zuletzt vor zwei Jahren
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Folgen der Null-Covid-PolitikChinas Exportwachstum so schwach wie zuletzt vor zwei Jahren

Rund 180 Millionen Arbeitsstellen sind in China vom Aussenhandel abhängig. Der Regierungschef spricht von einer «komplizierten und ernsten» Beschäftigungssituation.

von
Sandro Oertli
Die chinesischen Covid-Massnahmen bremsen die Wirtschaft: Ein Schiff am Hafen in der Provinz Jiangsu.

Die chinesischen Covid-Massnahmen bremsen die Wirtschaft: Ein Schiff am Hafen in der Provinz Jiangsu.

Foto: Aley Plavevski (Keystone)

Immer mehr Lockdowns und weniger Frachtverkehr über Chinas Häfen: Die strikte Null-Covid-Politik bremst die zweitgrösste Volkswirtschaft. Chinas Exportwachstum ist auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen.

Im April legten die Exporte in US-Dollar berechnet nur noch um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie der chinesische Zoll am Montag in Peking berichtete. Es ist das langsamste Wachstum seit Juni 2020. Die Importe blieben mit Null-Wachstum unverändert.

Hintergrund sind die Restriktionen für viele Unternehmen durch die strenge chinesische Null-Covid-Politik in China, die auch den Frachtverkehr stark beeinträchtigt. Zudem wirken sich nach Expertenangaben global die Krise um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die Erholung der Kapazitäten in anderen Ländern aus.

Chinas Aussenhandel sehe sich einem «komplizierten und schwierigen externen Umfeld» gegenüber, sagte der Statistik-Direktor des Zolls, Li Kuiwen. Im März hatten die Exporte noch auffällig stark um 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt, während die Importe schon um 0,1 Prozent zurückgegangen waren.

Corona-Lockdowns belasten

Viele Probleme sind aber hausgemacht. Die Ausweitung der Covid-Massnahmen in China bremsen Produktion und Auslieferung von Gütern. Das 26 Millionen Einwohner zählende Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghai etwa ist seit mehr als einem Monat im Lockdown. Der Frachtverkehr über den grössten Hafen der Welt ist stark eingebrochen. Wegen der strengen Regularien fehlt es schon an Lastwagen.

Nach Hunderten Corona-Fällen gibt es auch in der Hauptstadt Peking zunehmend Homeoffice-Pflicht und andere Beschränkungen. Im Moment läuft für die 21 Millionen Einwohner eine dritte Runde von Massentests über jeweils drei Tage in Folge. Auch in Nordostchina und anderen Metropolen gelten seit Wochen Corona-Beschränkungen, von denen Zigmillionen Menschen und viele Unternehmen betroffen sind.

Nach rund zwei Jahren wirksamer Pandemie-Bekämpfung in China stellt die Verbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante die chinesische Null-Toleranz-Politik auf eine harte Probe. Trotz der hohen wirtschaftlichen Kosten will die chinesische Führung aber an ihrem Kurs festhalten, wie der Ständige Ausschuss des Politbüros gerade noch einmal bekräftigt hatte.

Wichtiger Aussenhandel

Die Verlangsamung der Exporte wirkt sich stark aus, da der Aussenhandel zu rund einem Drittel der chinesischen Wirtschaftsleistung beiträgt und rund 180 Millionen Menschen beschäftigt. Chinas Regierungschef Li Keqiang sprach am Samstag von einer «komplizierten und ernsten» Beschäftigungssituation. Er rief alle lokalen Stellen auf, mit Vorrang Unternehmen zu helfen, die gegenwärtigen Probleme zu bewältigen und Arbeitsplätze zu sichern.

«Die Stabilisierung der Beschäftigung ist wichtig für das Wohlergehen der Menschen», sagte Li Keqiang. «Es ist auch eine wichtige Stütze für die Wirtschaft, um in einem vernünftigen Rahmen zu operieren.» Die Regierung hat weitere Konjunkturmassnahmen versprochen, um das offizielle Ziel von 5,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr zu erreichen.

(SDA)

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