Auf Einkaufstour: Chinas Investoren stürzen sich auf die Schweiz
Aktualisiert

Auf EinkaufstourChinas Investoren stürzen sich auf die Schweiz

Der immense Investitionshunger chinesischer Unternehmen hat die Schweiz erreicht: Sie kaufen Firmen und Marken und siedeln sich an. Aber nicht alle wollen sich unternehmerisch engagieren.

von
Sven Zaugg

Der Appetit chinesischer Konzerne ist beachtlich. Unternehmen aus der Volksrepublik China kaufen immer mehr Firmen in der Schweiz, um sich neue Technologien einzuverleiben und weitere Märkte zu erschliessen.

So erwarb Anfang Dezember der chinesische Riese Jinsheng die Textilsparte von OC Oerlikon aus Pfäffikon. Ebenfalls in der Hand einer chinesischen Unternehmung sind seit Weihnachten 2012 die beiden Swissmetal-Werke in Reconvillier und Dornach. Den Zuschlag für die Grenchner Uhrenherstellerin Eterna erhielt 2011 der chinesische Geschäftsmann Hon Kwok Lung – um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Schweiz als Hauptquartier

In den ersten zehn Monaten 2012 investierten Chinesen über 50 Milliarden Franken im Ausland, satte 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Offizielle Zahlen, wie viel davon in die Schweiz fliesst, gibt es nicht. Doch ein Mega-Deal lässt erahnen, wie gross der Hunger der Chinesen ist: 2010 übernahm die zur Sinopec-Gruppe gehörende China Petrochemical die in Genf ansässige Ölfirma Addax Petroleum für 8,32 Milliarden kanadische Dollar. Es war bis dato die grösste Auslandsübernahme, die jemals von einer chinesischen Ölfirma getätigt wurde.

Auch die Ansiedlung von Unternehmen in der Schweiz spielt eine zentrale Rolle in der Wirtschaftsstrategie der chinesischen Führung. Die Schweiz wählen Unternehmen aus der Volksrepublik oft als ihr Hauptquartier, um sich den Zugang zum europäischen Markt zu sichern.

3000 Milliarden Dollar Währungsreserven

«Unser Land hat einen sehr guten Ruf. Swissness steht für Qualität und Zuverlässigkeit. Zudem schätzen die Chinesen unsere politische Stabilität», sagt Kurt Haerri, Präsident der Handelskammer Schweiz-China, im Gespräch mit 20 Minuten Online. Dabei ist das Interesse von Chinas Investoren breit: Sie suchen Beteiligungen in den Bereichen Technologie, Energie und Rohstoffe sowie Immobilien. Haerri prognostiziert: «Wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung, die noch ganz andere, grössere Dimensionen annehmen wird. China wächst in einem unglaublichen Tempo.»

Tatsächlich ist China eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften und das bevölkerungsreichste Land der Welt. Darüber hinaus hat das Reich der Mitte Währungsreserven von über 3000 Milliarden US-Dollar. Diese Reserven wollen möglichst optimal investiert sein.

«Grosses Interesse an Technologie, Marktzugang und Markennamen»

Wie nachhaltig sind die chinesischen Investitionen für die die hiesige Wirtschaft? Grundsätzlich, so Haerri, sei der Planungshorizont langfristig. «Bei Übernahmen von Hightech-Firmen kann es aber auch sein, dass der Investor nur an der Technologie, nicht aber am unternehmerischen Engagement der Schweiz interessiert ist.»

Lukas Huber von der Marketingorganisation Greater Zurich Area bestätigt die «gesteigerte Nachfrage» chinesischer Investoren und Firmen an Übernahmen und Beteiligungen in der Schweiz. «Chinesische Firmen zeigen grosses Interesse an Technologie, Innovation, Marktzugängen und Markennamen», sagt Huber.

Der Marketingexperte spricht von einer wachsenden Zahl von chinesischen Firmen, die eine eigene Niederlassung oder einen Standort im Schweizer Markt prüfen. Nicht zuletzt dank qualifizierter Arbeitskräfte und steuerlicher Attraktivität biete die Schweiz eine gute Plattform, um auf den europäischen Markt zu gelangen. «Das belegt auch die verstärkte Ansiedlung chinesischer Solarfirmen in der Schweiz», so Huber.

Die Schattenseite: Chinas Solarfirmen werden mit Milliardenkrediten subventioniert und zerstören den europäischen Markt. Das stösst der EU sauer auf (siehe Box).

Freihandelsabkommen vor Abschluss

«Ein weiterer wichtiger Faktor, der die wirtschaftliche Beziehung zwischen der Schweiz und China befeuern wird, ist das Freihandelsabkommen», sagt Beat Ulrich, Leiter Standortförderung im Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen.

Zwar haben sich die Gespräche mit China in die Länge gezogen (siehe Box). Dennoch stellt der Bundesrat einen Abschluss des Abkommens für das laufende Jahr in Aussicht.

EU prüft chinesische Subventionen

21 Milliarden Euro in die EU exportiert.

deutsche Solarbranche sieht einen Hauptgrund für ihre derzeitige Misere in der vermeintlichen Billig-Konkurrenz aus China. (sza)

Petition: Kein Freihandelsabkommen mit China

Freihandelsabkommen mit China abschliessen. Sie wäre damit das erste europäische Land, welches ein solches Abkommen unterzeichnet.

verbindliche und griffige Bestimmungen zum Schutz der Menschenrechte definiert werden.

Zwangsarbeitslager seien in besonders schockierendes Beispiel für die Verletzung der Menschenrechte in China. Männer und Frauen würden teilweise ohne Gerichtsurteil und unter Missachtung grundlegendster rechtsstaatlicher Normen interniert, kritisieren die Organisationen. (sza)

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