Alibaba.com: Chinas Online-Riese drängt an die Börse
Aktualisiert

Alibaba.comChinas Online-Riese drängt an die Börse

Die Zeichen für einen Börsengang des chinesischen Onlinehändlers Alibaba verdichten sich. Der chinesische Riese ist grösser als eBay und Amazon zusammen.

von
Valeska Blank
Die chinesische Online-Plattform Alibaba betreibt verschiedene Verkaufskanäle.

Die chinesische Online-Plattform Alibaba betreibt verschiedene Verkaufskanäle.

Jack Ma wollte schon immer nach den Sternen greifen. Bereits im Jahr 1999, als er sein Unternehmen noch von seiner Wohnung aus führte, schwebte ihm die Vision eines Weltkonzerns vor. Es sollte nicht bei der Vision bleiben.

Heute, vierzehn Jahre später, ist der ehemalige Englischlehrer Chef eines Imperiums. Auf den diversten Online-Marktplätzen seines IT-Konzerns Alibaba wurden letztes Jahr Waren im Wert von 170 Milliarden Dollar verkauft. Das ist mehr, als auf Amazon (87,8 Milliarden) und eBay (67,8 Milliarden) zusammen. Statt einem Dutzend wie im Jahr 1999 beschäftigt Ma heute 24'000 Mitarbeiter.

«Wir sind bereit»

Nun jagt Ma offenbar einem weiteren Stern hinterher. Wie der «Spiegel» berichtet, soll Alibaba kurz vor dem Börsengang stehen. Dafür spreche die kürzliche Reorganisation des IT-Giganten in 25 Geschäftsbereiche. Zudem räumt Ma am 10. Mai seinen Chefsessel und zieht sich auf den Posten eines Executive Chairman zurück.

Experten werten auch dies als Vorbereitung für den Gang an die Börse. Offiziell bestätigen will der Konzern noch nichts. Zur britischen Wochenzeitschrift «The Economist» sagte der Alibaba-Chef nur: «Wir sind bereit.»

Debakel wie bei Facebook?

Der Gang aufs Parkett wäre einer der grössten in der Geschichte des Internets. Schon werden Vergleiche mit dem Börsengang von Facebook laut, der mit einem Kurssturz der Aktien einen unschönen Ausgang nahm. Malte Polzin vom Zürcher E-Business-Unternehmen Carpathia sieht aber wenig Parallelen: «Bei Alibaba ist eine ganz andere Substanz dahinter – das Geschäftsmodell ist solide und die Reichweite enorm.» Er glaube an die Zukunft von Online-Marktplätzen, weshalb er persönlich «in ein Unternehmen wie Alibaba als Aktionär investieren» würde.

Ähnlich wie bei Facebook entsteht schon vor dem möglichen Alibaba-Börsengang ein regelrechter Hype. «Das wird grösser als Facebook», sagte etwa Bill Bishop, ein Technologie-Experte aus Peking, dem «Economist». Befeuert wird die Aufregung in der Investorengemeinde vom Alibaba-Chef persönlich. Ein möglicher Börsengang werde «sehr, sehr gross», prophezeit Ma.

Verschiedene Kanäle

In Europa ist der chinesische Internet-Riese noch weitgehend unbekannt. Doch E-Business-Experte Polzin warnt: «Alibaba ist ein ernstzunehmender Player, auf den auch hiesige Händler ein Auge haben sollten.»

In China dominiert Alibaba den Online-Handel und ist nach eigenen Angaben der grösste Anbieter auf dem Feld. Das weit verzweigte Unternehmen betreibt verschiedene Verkaufskanäle. Alibaba.com ist ein klassisches Business-to-Business-Portal, das «den Kontakt vom chinesischen Händler aus dem Hinterhof zum westlichen Handelspartner herstellt», wie es Polzin erklärt.

Chinesisches eBay

Als Kronjuwel des Konzerns gilt aber Taobao. Auf dem Online-Marktplatz können Privatpersonen ihre Produkte anbieten, weshalb es oft mit eBay verglichen wird. Als Ableger von Taobao wurde 2011 Tmall gegründet. Die Verkaufsplattform wird oft als chinesisches Amazon bezeichnet. Neben chinesischen sind mittlerweile auch internationale Marken auf Tmall zu finden.

Experten äussern sich zuversichtlich über die Zukunft des chinesischen IT-Giganten. «Alibaba könnte in fünf Jahren eines der wertvollsten Unternehmen der Welt sein», sagte Gordon Orr von der Beratungsfirma McKinsey zum «Economist».

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