Arbeitskampf: Chindsgi-Lehrer streichen Räbeliechtli-Umzug
Aktualisiert

ArbeitskampfChindsgi-Lehrer streichen Räbeliechtli-Umzug

Weil die Chindsgi-Lehrpersonen in Schaffhausen seit Jahren vergebens für eine Entlastungsstunde kämpfen, greifen sie nun zu drastischen Massnahmen: Der Räbeliechtli-Umzug ist abgesagt.

von
20M
1 / 2
Diese Szene wird dieses Jahr in der Stadt Schaffhausen nicht zu sehen sein. Weil die Chindsgigärtner keine Entlastungsstunde erhalten, sagen sie aus Protest den Räbeliechtli-Umzug ab.

Diese Szene wird dieses Jahr in der Stadt Schaffhausen nicht zu sehen sein. Weil die Chindsgigärtner keine Entlastungsstunde erhalten, sagen sie aus Protest den Räbeliechtli-Umzug ab.

Keystone/Gaetan Bally
Regierungsrat Christian Amsler (FDP) hält die Aktion für deplatziert: «Solche Massnahmen auf dem Buckel der Kinder widerstreben auch meinem Pädagogenherz.»

Regierungsrat Christian Amsler (FDP) hält die Aktion für deplatziert: «Solche Massnahmen auf dem Buckel der Kinder widerstreben auch meinem Pädagogenherz.»

Keystone/Steffen Schmidt

Der diesjährige Räbeliechtli-Umzug in der Stadt Schaffhausen sorgt für hitzige Diskussionen – auf Kosten der Kinder. Da die Schaffhauser Chindsgigärtner seit Jahren nicht für ihre Zusatzarbeit entschädigt werden, setzen sie nun ein Zeichen und sagen den Räbeliechtli-Umzug ab.

Wie «Top Online» berichtet, ist der Grund ein Streit zwischen der Politik und den Lehrpersonen, der bereits fünf Jahre lang dauert. Damals versprach der Regierungsrat nach einem Streik, dass die Lehrpersonen eine Entlastungsstunde erhalten würden.

«Wir fühlen uns nicht ernst genommen»

Bei den Lehrern der Primar- und Oberstufe wurde diese Stunde weniger pro Woche eingeführt – bei den Chindsgigärtnern nicht. «Wir fühlen uns nicht ernst genommen und möchten endlich den konkreten Willen sehen, dass die von fast allen Seiten unbestrittene Entlastungslektion endlich eingeführt wird», heisst es in einer Mitteilung der Schaffhauser Lehrpersonen.

«Wirklich not amused über diese Kampfmassnahme» ist der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler (FDP), wie er auf Facebook schreibt. Er habe zwar Verständnis für die Ungeduld und den Unmut derjenigen, die bereits lange auf ihre erste Entlastungslektion warten, aber: «Diese Aktion will ich keinesfalls gutheissen und empfinde sie denn auch als deplatziert.»

«Massnahme wird auf sehr viel Unverständnis stossen»

Er sei schon immer klar der Meinung gewesen, dass es völlig unangebracht sei, wenn man Kinder für gewerkschaftliche oder standespolitische Forderungen direkt bestraft. «Solche Massnahmen auf dem Buckel der Kinder widerstreben auch meinem Pädagogenherz», schreibt Amsler. Und weiter: «Ich bin überzeugt, dass diese Massnahme auch massiv Reaktionen bei den Eltern auslösen und generell auf sehr viel Unverständnis in der Schaffhauser Öffentlichkeit stossen wird.»

Auf Facebook erhält Amsler mit dieser Meinung viel Zuspruch, so bedauern etwa viele Nutzer, dass die Räbenliechtli-Tradition so verloren geht, oder haben wenig Verständnis dafür, dass dieser Streit nun auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. «Von ausgebildeten studierten Pädagogen hätte ich nicht die Kinder als Druckmittel erwartet», ist etwa in einem Kommentar zu lesen.

Eltern wollen privaten Umzug organisieren

Diverse Facebook-Nutzer machen aber auch den Vorschlag, dass die Eltern den Räbeliechtli-Umzug nun selber organisieren sollen – «dä Chind zlieb.» Ein gutes Beispiel dafür sind die Eltern im aargauischen Untersiggenthal. Auch dort wollten die Lehrpersonen im vergangenen Jahr den Räbeliechtli-Umzug ausfallen lassen – weil am selben Abend eine Protestkundgebung gegen Sparmassnahmen im Bildungsbereich geplant war. Die enttäuschten Eltern bildeten daraufhin einen Verein und organisierten den Umzug selber.

Auch in Schaffhausen gibt es solche Bestrebungen, wie Lukas Ottiger, ein Vater aus dem Quartier Buchthalen, zu 20 Minuten sagt. Er und ein paar andere Väter überlegen sich, einen privaten Umzug im Quartier zu organisieren: «Für uns Väter und unsere Kinder ist das ein toller Anlass, den wir nicht missen möchten.» Für die Anliegen der Lehrpersonen habe er aber vollstes Verständnis: «Das Engagement der Kindergärtnerinnen und Kindergärtner ist gross. Die Entlastungslektion steht ihnen jetzt endlich zu.»

Deine Meinung