Herzinfarkt-Shooter: Chinese erstellt Kracher-Game im Alleingang
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Herzinfarkt-ShooterChinese erstellt Kracher-Game im Alleingang

Mit «Bright Memory» ist ein Indie-Egoshooter erschienen, der locker bei den Grossen mitspielt. Entwickelt wurde er von einer einzigen Person.

von
Jan Graber

Mit «Bright Memory» ist ein Indie-Egoshooter erschienen, der locker bei den Grossen mitspielt. (Quelle: Zeng XIancheng)

Bereits nach wenigen Minuten muss ich innehalten und Atem holen. Zu Dutzenden haben gerade mehrere aggressive Untote auf mich eingedroschen; die Kerle waren extrem angriffig, aber eigentlich nur Kanonenfutter. Als eigentliche Knacknuss erwies sich das drachenähnliche, zähnefletschende Vieh in ihrem Zentrum, das meine Lebensenergie in Sekundenbruchteilen auf ein wimmerndes Nichts reduzierte und irgendwie immer da stand, wohin ich gerade ausgewichen war.

Blitzschnell den Attacken ausweichen, wie ein Berserker in einer Panikattacke drauflosballern, blindwütig das Energieschwert schwingen, mit einem Energieimpuls die Gegner in die Luft schleudern, sie noch in der Luft hängend zerschnipseln, mit einem Brachialangriff hinunterkrachen und für kurze Zeit alle Feinde ein paar Meter zurückwerfen, zwischendurch nachladen und bei dem ganzen Tohuwabohu, visuellen Feuerwerk und spritzenden Blut die Übersicht behalten – was in der ersten Episode von «Bright Memory» Spielern geboten wird, kann es spielend mit den grossen Krachern aufnehmen; das Spiel wirkt, als wären «Bulletstorm» und «Devil May Cry» zusammen ins Bett gestiegen und hätten ein Kind gezeugt.

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Dabei wurde das Game offenbar von einer einzigen Person, dem Chinesen Zeng Xiancheng, unter dem Label FYQD Studio entwickelt und auf Steam veröffentlicht. Was Xianchen, der das Spiel angeblich in seiner Freizeit geschrieben hat, bietet, ist magisch. Vor allem wartet es mit einer optischen Brillanz auf, wie man sie sonst fast nur von teuren Produktionen kennt. Zwar kann «Bright Memory» nicht restlos mit dem Realitätsgrad der allerneusten Shooter mithalten, lässt sich aber auch nicht wirklich abhängen.

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Gespielt wird in «Bright Memory» mit der Superagentin Sheila, ...

Gespielt wird in «Bright Memory» mit der Superagentin Sheila, ...

... die sich gegen eine miese Organisation durchsetzen muss. Das Spiel erinnert stellenweise an «Tomb Raider».

... die sich gegen eine miese Organisation durchsetzen muss. Das Spiel erinnert stellenweise an «Tomb Raider».

Designt und programmiert wurde es vom chinesischen Entwickler Zeng Xiancheng angeblich im Alleingang in der Freizeit.

Designt und programmiert wurde es vom chinesischen Entwickler Zeng Xiancheng angeblich im Alleingang in der Freizeit.

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Gespielt wird mit der Sonderagentin Sheila, die über telekinetische Fähigkeiten verfügt. Das Game bietet Upgrade-Möglichkeiten, unterschiedlichste Kombo-Attacken, einen Greifhaken, um sich über Abgründe zu schwingen, und vor allem viel brutal schnelle Action, die einem das Adrenalin bis unter die Schädeldecke treibt. «Bright Memory» enthält sogar einzelne, einfach zu lösende Puzzle-Sequenzen. Eine tiefere Story fehlt hingegen, und das Spiel hat mit ein paar Fehlern zu kämpfen, die aber von Zeng Xiancheng laufend ausgebügelt werden.

So blitzschnell es in «Bright Memory» zur Sache geht, so schnell ist der Spass auch wieder vorbei: Nach nur einer Stunde ist das Spiel zu Ende. Angeblich werden im Lauf des Jahres aber weitere Episoden erscheinen. Die erste Episode, die als «Early Access» auf Steam erschienen ist, reisst mit etwas über sieben Franken aber auch kein tiefes Loch ins Portemonnaie.

Was Zeng Xiancheng mit «Bright Memory» liefert, ist mehr als nur eindrücklich. Da das Spiel mit Hilfe der Unreal Engine entwickelt wurde, hat der Engine-Entwickler Epic das Game als «vielversprechend» mitfinanziert. Bleibt die Frage, ob wirklich einer im kompletten Alleingang ein solches Werk schaffen kann ...

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