In Indien gestrandet: Chinese schliesst nach 50 Jahren Bruder in die Arme
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In Indien gestrandetChinese schliesst nach 50 Jahren Bruder in die Arme

Der Chinese Wang Qi verbrachte über 50 Jahre in Indien, ohne ausreisen zu dürfen. Jetzt gab es endlich ein Wiedersehen mit seiner Familie.

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Endlich wieder zu Hause! Der Chinese Wang Qi landete am 11. Februar 2017 am Flughafen Peking. (Video: Reuters)

Am vergangenen Freitag durfte der Chinese Wang Qi wieder in seine Heimat zurückkehren – nachdem er fast 54 Jahre unfreiwillig in Indien verbracht hatte.

Qi war Soldat bei der chinesischen Volksbefreiungsarmee, als 1962 der Grenzkrieg zwischen Indien und China ausbrach. Der junge Mann wurde ein Jahr später beauftragt, für die Armee Strassen nahe der Grenze zu bauen. Nach eigener Aussage verirrte er sich im Januar 1963 versehentlich auf indisches Gebiet. «Ich traf ein Fahrzeug des Roten Kreuzes und bat um Hilfe», erzählt er dem britischen Sender BBC. Die Mitarbeiter des Hilfswerks übergaben den Mann jedoch der indischen Armee.

Ein neues Leben aufgebaut, das alte nie vergessen

Qi verbrachte daraufhin sieben Jahre in einem Gefängnis. Als er 1969 freikam, wurde er nach Tirodi im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh gebracht. Ausreisen durfte er allerdings nicht. Bis heute ist nicht klar, ob Wang Qi als Kriegsgefangener angesehen wurde.

1975 hatte der Chinese seinen Namen auf Raj Bahadur geändert. Er lernte die lokale Sprache und heiratete eine indische Frau. «Ich war am Anfang wütend, weil man mich mit einem Ausländer vermählt hatte», sagt die Frau zur BBC. «Die ersten Monate habe ich ihn nur toleriert, mit der Zeit konnte ich mich an ihn gewöhnen.» Das Paar hat drei Kinder und inzwischen auch mehrere Enkelkinder.

Seine Heimat vergass Wang Qi jedoch nicht. «Ich baute zwar ein neues Leben auf, weinte aber jeden Tag, weil ich meine Familie vermisste.» Der Mann schrieb unzählige Briefe an seine Angehörigen in China. In den 1980er-Jahren erhielt er erstmals eine Antwort, im Jahr 2002 schaffte er es dann endlich, mit seiner Mutter zu telefonieren. Die Frau starb 2006.

Dank Berichterstattung kommt es zum Happy End

Ein Neffe besuchte Wang Qi im Jahr 2009 und besorgte ihm Unterlagen, um einen chinesischen Pass zu beantragen. Dieser wurde schliesslich 2013 ausgestellt – allerdings immer noch ohne die Ausreisegenehmigung Indiens.

Wie «The Telegraph» berichtet, habe erst ein Bericht der BBC die Aufmerksamkeit der chinesischen Behörden geweckt. Nachdem ihn Diplomaten seines Landes besucht hatten, kam endlich Bewegung in die Sache.

Ausgestattet mit einer offiziellen Genehmigung des indischen Aussenministeriums flog Wang Qi am Wochenende von Delhi nach Peking. Dort konnte er zum ersten Mal seit 50 Jahren seinen älteren Bruder in die Arme schliessen.

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