Alte Tradition: Chinesen klauen Leiche für Geisterheirat
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Alte TraditionChinesen klauen Leiche für Geisterheirat

Drei Männer in China klauen eine Frauenleiche aus einem Grab – um sie Verwandten eines verstorbenen Mannes zu verkaufen. Klingt gespenstisch, ist aber ein uralter Brauch.

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In ländlichen Regionen Chinas sind sogenannte Geisterhochzeiten noch heute üblich. Die Dorfbewohner hoffen, dass die Verheiratung nach dem Tod Unglück abwehren wird.

In ländlichen Regionen Chinas sind sogenannte Geisterhochzeiten noch heute üblich. Die Dorfbewohner hoffen, dass die Verheiratung nach dem Tod Unglück abwehren wird.

Die Polizei der Provinz Shanxi im Norden Chinas hat drei Männer festgenommen, weil diese die Leiche einer Frau aus einem Grab stehlen wollten. Die Diebe planten, die Überreste den Verwandten eines toten Mannes zu verkaufen. Dann hätte der alte chinesische Brauch einer Geisterhochzeit mit den beiden Toten vollzogen werden können.

Der Hauptverdächtige, ein 72-jähriger Mann, hatte vom Tod der jungen, unverheirateten Frau erfahren. Er setzte sich in Verbindung mit den Angehörigen eines verstorbenen alleinstehenden Mannes, um ihnen die Frauenleiche anzubieten. Der Täter und die Familie des Toten einigten sich auf einen Verkaufspreis von 25'000 Yuan (rund 3750 Franken), wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Geisterhochzeit soll Unglück vertreiben

Dem Brauch zufolge wird ein toter Single «verspätet» mit einer Toten verheiratet. Xu Keqian, Professor für chinesische Sprache und Kultur, zufolge reicht der Brauch, Hochzeiten nach dem Tod der Partner durchzuführen, Jahrhunderte zurück. Gelegentlich wird er noch heute in ländlichen, armen Gegenden zelebriert.

In diesen Regionen würden viele abergläubische Menschen leben, die auch von einem Leben nach dem Tod ausgingen, sagte Xu, der an der Universität von Nanjing lehrt. Sie würden hoffen, dass die Verheiratung nach dem Tod Unglück abwehre. Die Leiche werde bei einer Art Hochzeitsfeier mit Trommeln und Gongs im Grab ihres Partners noch einmal bestattet, es folge dann eine Trauerfeier. In einigen Fällen würden Leichen auch miteinander verheiratet, weil sie vor ihrem Tod verlobt gewesen seien.

Das Ritual konnte diesmal nicht vollzogen werden. Denn als die drei Männer versuchten, das Grab zu plündern, wurden sie von Dorfbewohnern ergriffen, die von der Geisterhochzeit erfahren hatten. (kle/sda)

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