Luxus-Produkte: Chinesen planen Shoppingmeile in Basel

Aktualisiert

Luxus-ProdukteChinesen planen Shoppingmeile in Basel

Investoren aus China wollen im Raum Basel ein exklusives Einkaufscenter bauen – für ihre eigenen Landsleute. In Luzern und Interlaken dürfte man sich darüber nicht besonders freuen.

von
Valeska Blank
Macht Basel bald Luzern konkurrenz? Ein neues Luxus-Shoppingcenter soll Gäste aus Asien nach Basel locken.

Macht Basel bald Luzern konkurrenz? Ein neues Luxus-Shoppingcenter soll Gäste aus Asien nach Basel locken.

Chinesische Touristen lassen in der Schweiz ordentlich Geld liegen. 350 Franken geben sie laut dem Tourismus Monitor pro Tag aus. Doch nicht alle Destinationen erhalten gleich viel vom lukrativen Kuchen. Während sich Destinationen wie Luzern, Interlaken und Zürich ob der explodierenden Wachstumsraten von chinesischen Besuchern die Hände reiben, wünscht sich Basel deutlich mehr Gäste aus dem Reich der Mitte.

Ein Luxus-Shoppingcenter soll nun die Stadt am Rheinknie für chinesische Touristen attraktiver machen. Wie Radio DRS am Dienstag berichtete, prüfen chinesische Investoren derzeit den Bau eines Einkauftempels im Dreiländereck. Zielgruppe: Die eigenen Landsleute. «Das touristische Potenzial bei den chinesischen Gästen ist in der Region Basel noch lange nicht ausgeschöpft», begründet Projektberater Marcel Tschudin die Standortwahl im Gespräch mit 20 Minuten.

Reisecars sollen in Basel halten

Der Schweizer hat bis vor Kurzem für eine Tochtergesellschaft von Louis Vuitton gearbeitet und hilft den chinesischen Investoren bei der Projektrealisierung. Ein Luxus-Shoppingcenter biete eine gute Gelegenheit, die asiatischen Touristen in Basel abzufangen. «Ihre Route in den Reisecars führte bisher meist an Basel vorbei.» Da Luxusprodukte bei den asiatischen Gästen zuoberst auf ihrer Einkaufsliste stehen, soll die Shopping-Meile international bekannte Labels beinhalten. «Wir denken da an Brands wie Louis Vuitton, Hermès oder Chanel», so Tschudi.

Bei Basel Tourismus weckt das Projekt grosse Hoffnungen. «Das Einkaufszentrum hätte einen positiven Effekt und könnte unseren eher kleinen Anteil am Wachstumsmarkt China erhöhen», sagt Marketingleiter Christoph Bosshardt. Basel sei als Etappendestination auf dem Weg nach Luzern und Interlaken ein attraktives Ziel.

Tourismusexperte ist skeptisch

Weniger euphorisch äussert sich Tourismusprofessor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern. Von der Shopping-Lust der Chinesen ist er zwar überzeugt. Dennoch bezweifelt er die Auslastung des geplanten High-End-Einkaufstempels ausschliesslich mit chinesischen Touristen: «Es braucht wohl mehr als nur diese Touristengruppen, um profitabel zu sein.»

Derzeit befindet sich das Shoppingcenter-Projekt in einer frühen Projektphase. Die chinesischen Investoren waren vor zwei Wochen in der Schweiz und haben die möglichen Standorte besichtigt. Diese befinden sich laut Tschudin teils auf Basler Stadtgebiet, aber auch Immobilien im grenznahen Deutschland und Frankreich sollen infrage kommen.

Basel zählte von Januar bis September dieses Jahres laut dem Bundesamt für Statistik nur knapp 11 500 Logiernächte von Chinesen. Im gleichen Zeitraum übernachteten in Luzern rund 87 700 chinesische Touristen und in Interlaken 46 700.

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