Online-Shops: Chinesen verhökern Coop- und Migros-Produkte
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Online-ShopsChinesen verhökern Coop- und Migros-Produkte

Schweizer Produkte landen immer öfter auf chinesischen Internetplattformen – zu überhöhten Preisen. Den Herstellern ist es unmöglich, den Warenfluss zu kontrollieren.

von
kwo/sas

Auf obskuren Wegen und ohne Kontrolle von den Schweizer Mutterfirmen gelangen sie nach China: Schweizer Produkte. Das schreibt die «Handelszeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe. Auf Seiten von Alibaba und deren Töchtern tauchen regelmässig Migros- und Coop-Artikel, aber auch Jura-Kaffeemaschinen und Freitag-Taschen auf. Dies stets ohne Zutun der Schweizer Firmen.

Und die chinesischen Zwischenhändler verdienen prächtig mit an den Schweizer Produkten. So kostet beispielsweise eine Tafel M-Budget-Schoggi im chinesischen Online-Shop Taobao 30 Yuan (siehe Diashow), was umgerechnet rund 4.40 Franken entspricht. Zum Vergleich: Die Migros verlangt für die günstigste Tafel M-Budget-Schoggi in der Schweiz 50 Rappen, im Viererpack sind es 1.95 Franken. Gross ist die Differenz auch beim Schweizer Bienenhonig: Im Migros-Regal schlägt die 500-Gramm-Packung mit 15.50 Franken zu buche, beim chinesischen Onlinehändler sind es umgerechnet knapp 30 Franken.

Bei Taobao können chinesische Kunden auch Toblerone-Riegel, Milchpulver, Gesichtstonic von Prix Garantie oder Ricola-Bonbons erstehen. Letztere kosten in der Schweiz bei Coop 4.20 Franken im Zweierpack (2.10 pro 50-Gramm-Pack). In China sind es pro Packung umgerechnet 3.70 Franken. Faustregel: In den chinesischen Shops kosten die Schweizer Produkte meist rund das Doppelte.

«Geschäft lässt sich nicht kontrollieren»

Die Schweizer Firmen können das nicht steuern, wie die Migros betont: Weder Migros noch M-Industrie hätten etwas mit diesen Angeboten zu tun. «Das so genannte Consumer-to-Consumer–Geschäft (Kunde-zu-Kunde-Geschäft) ist ein wichtiges Element bei Alibaba. Dieses lässt sich nicht kontrollieren», sagt Sprecherin Monika Weibel zu 20 Minuten. Und bei Coop heisst es: «Bei uns dürfen alle Kunden haushaltsübliche Mengen einkaufen. Einen Weiterverkauf unserer Produkte können wir nicht verhindern.»

Bei der Schweizer Digitalmarketingagentur Webrepublic, die unter anderem Schweizer Marken für ihre Online-Präsenz in China berät, kennt man das Thema: «Es gibt in China ein grosses Begehren nach ausländischen Markenartikeln, speziell auch nach solchen aus der Schweiz», sagt Webrepublic-Gründer und Chef Tom Hanan. «Was dabei besonders für das Online-Geschäft gilt: Wo ein Bedürfnis besteht, steht auch jemand bereit, der es befriedigen wird. Wir werden mit Bestimmtheit mehr von diesem Phänomen sehen.»

Angst vor verunreinigten Lebensmitteln

Was gefällt den Chinesen an den Schweizer Markenprodukten?

«Die Schweiz geniesst einen hervorragenden Ruf in China, auch wegen der Qualität ihrer Produkte», sagt China-Experte Stephan Oehen zu 20 Minuten. China werde immer wieder von Nahrungsmittelskandalen erschüttert. Entsprechend hätten insbesondere Eltern Angst, dass ihre Kinder über Gifte im Essen Schaden nehmen könnten, und setzten darum auf Schweizer Produkte.

Bei den Schweizer Produkten auf Taobao und ähnlichen Plattformen handelt es sich laut Oehen um Gelegenheitshandel. Chinesen in der Schweiz würden beispielsweise Produkte kaufen und diese nach China senden. Langfristig sei dies aber nicht rentabel, wenn man alle Kosten mitrechne.

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