Filter mit Lücken: Chinesen wehren sich gegen Web-Zensur
Aktualisiert

Filter mit LückenChinesen wehren sich gegen Web-Zensur

Mit auf den ersten Blick harmlos wirkenden Amateur-Clips ziehen chinesische Web-User die Zensurbehörden ins Lächerliche. Manche fahren aber auch gröbere Geschütze auf und verschicken Todesdrohungen.

Chinas Zensoren fackeln nicht lange, wenn es darum geht, im Internet den Rotstift anzusetzen. Erklärtes Ziel ist es, das Web von pornographischen und vulgären Inhalten zu säubern. Erst vergangene Woche wurde Google gezwungen, dem Druck der Zensoren nachzugeben. So muss der Suchmaschinenriese Treffer mit Links zu pornographischen Inhalten rausfiltern (20 Minuten Online berichtete). Hätte sich Google nicht kooperativ gezeigt, hätten sie den Rauswurf aus dem chinesischen Netz riskiert.

Teile der Bevölkerung haben die staatliche Bevormundung offensichtlich satt und wehren sich dagegen auf ganz eigene Art und Weise, berichtet Spiegel-Online. So würde sich zurzeit ein Amateurclip grosser Bekanntheit erfreuen, in dem Jugendliche mit verzerrter Stimme von einem «Gras-Schlamm-Pferd» singen. Wird die auf den ersten Blick sinnlos wirkende Passage ein bisschen anders betont, bekommt sie eine ganz andere Bedeutung. Aus dem Gras-Schlamm-Pferd wird flux die Aufforderung, mit der eigenen Mutter in die Kiste zu steigen. Obwohl vulgäre Entgleisungen dieser Art eindeutig gegen die Richtlininen verstossen, rutschen sie richtig verpackt durch den Staats-Filter vorbei an den Zensoren hindurch.

Drohungen sind an der Tagesordnung

Nicht alle machen ihrem Unmut auf so friedliche Art Luft. So berichten staatliche Medien, dass beim Hersteller einer Filter-Software Todesdrohungen eingegangen seien. Die Firma Jinhui Computer System Engineering habe mehr als 1000 Drohanrufe erhalten, wurde Geschäftsführer Zhang Chenmin am Mittwoch von der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Zudem sei das Unternehmen von Hackern angegriffen worden. Wie Zhang weiter sagte, gelangten auch private Daten von einigen Programmierern an die Öffentlichkeit, die danach persönlich attackiert wurden. Einigen sei angedroht worden, dass ihre Frau oder Kinder getötet würden. «Ich hätte nie gedacht, dass uns das Programm so viel Ärger einbringt», wurde Zhang zitiert.

Der Internet-Filter mit der Bezeichnung «Jugendbegleitung Grüner Damm» muss ab 1. Juli mit jedem neu verkauften PC ausgeliefert werden, installiert oder auf CD-ROM beiliegend. Eine Installation ist aber nicht verpflichtend. Nach zahlreichen Protesten schwächte die chinesische Regierung ihre ursprünglichen Pläne ab, alle Computer mit einem Zwangsfilter für missliebige Internet-Inhalte auszustatten. Wie es hiess, soll jeder Computernutzer frei entscheiden können, ob er die Filtersoftware verwenden will.

Schweinefotos werden auch gefiltert

Das Programm soll nach offiziellen Angaben Gewaltdarstellungen und Pornografie blockieren. In ersten Tests berichteten chinesische PC-Anwender aber, dass unter anderem auch Diskussionen über Homosexualität und die Meditationsgemeinschaft Falun Gong blockiert worden seien. Ausgefiltert wurden demnach auch Fotos von Schweinen, weil die Software diese für die Darstellung von Nacktheit hielt.

(mbu/ap)

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