Tedros Adhanom Ghebreyesus: Chinesen zensieren WHO-Chef nach  Kritik an Xis Zero-Covid-Politik
Publiziert

Tedros Adhanom GhebreyesusChinesen zensieren WHO-Chef nach  Kritik an Xis Zero-Covid-Politik

Während grosser Teile der Pandemie wurde dem Äthiopier vorgeworfen, Peking mit Samthandschuhen angefasst zu haben. Nun scheint der Wind gedreht zu haben. Die Verantwortlichen dulden keine Kritik an den harschen Lockdown-Massnahmen.

von
Patrick McEvily
1 / 6
Der äthiopische Arzt Tedros Adhanom Ghebreyesus hat seit 2017 das Amt des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inne.

Der äthiopische Arzt Tedros Adhanom Ghebreyesus hat seit 2017 das Amt des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inne.

REUTERS
In der Corona-Pandemie wurden im Westen Stimmen laut, die ihm vorwarfen, China nicht genügend in die Verantwortung genommen zu haben bei der Aufarbeitung der Ursprünge des Virus.

In der Corona-Pandemie wurden im Westen Stimmen laut, die ihm vorwarfen, China nicht genügend in die Verantwortung genommen zu haben bei der Aufarbeitung der Ursprünge des Virus.

AFP
Das Virus wurde Ende 2019 erstmals im Land festgestellt. Aufgrund einer rigorosen Lockdown-Politik hielten sich Ansteckungen und Todesfälle in der Folge allerdings in Grenzen.

Das Virus wurde Ende 2019 erstmals im Land festgestellt. Aufgrund einer rigorosen Lockdown-Politik hielten sich Ansteckungen und Todesfälle in der Folge allerdings in Grenzen.

AFP

Darum gehts

  • Der Chef der WHO hat sich in der Frage der chinesischen Zero-Covid-Strategie geäussert.

  • Diese sei nicht nachhaltig, erklärte Tedros Ghebreyesus am Dienstag.

  • Beiträge in den sozialen Medien, die seine Worte verbreiteten, wurden umgehend zensiert. Währenddessen spitzt sich die Situation im Riesenreich weiter zu.

Ein Beitrag des WHO-Direktors Tedros Ghebreyesus im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo wurde nach kurzer Zeit und viel Kritik wieder gelöscht. Der umstrittene Vorsteher der Weltgesundheitsorganisation hatte darin die Corona-Politik der Regierung kritisiert. «Wir glauben nicht, dass eine Zero-Covid-Strategie nachhaltig ist angesichts der aktuellen Verbreitung des Virus», hatte er am Dienstag in einer Pressekonferenz erklärt, wie CNN schreibt.

Die chinesische Regierung sieht sich wegen ihres Vorgehens mit zunehmender Kritik konfrontiert. Vergangene Woche wurden die Ergebnisse einer Studie öffentlich, die bei einer ausbleibenden Immunisierung der Bevölkerung Chinas von bis zu 1,5 Millionen Toten innerhalb kürzester Zeit ausgeht.

Lockdowns dauern an – Rekordtodeszahlen in Hong Kong

Die Worte Ghebreyesus’ wurden am Mittwochmorgen (Ortszeit) auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo publiziert, worauf es offenbar kritische Kommentare hagelte. Wenige Stunden später war der Post entfernt. Als Begründung gab der Dienst an, dass die Entfernung aufgrund von Einstellungen des Users geschah. Die Erklärung ist wenig glaubwürdig, kommt es auf Weibo doch immer wieder zu staatlicher Zensur. Auch der Messengerdienst WeChat entfernte sämtliche Beiträge, die auf Ghebreyesus’ Äusserungen referenzierten. Und auch die Zentralregierung in Peking melde sich zu Wort. Ein Regierungsvertreter nannte die Worte des WHO-Chefs «verantwortungslos», wie CNN berichtet.

Derweil sind wegen eines Anstiegs der Ansteckungen aufgrund der Omikron-Variante in China weiterhin ganze Städte abgeriegelt, Menschen dürfen ihre Zuhause nicht verlassen. Wer sich mit dem Virus angesteckt hat, muss in Gemeinschaftsunterkünften, die zum Teil völlig überfüllt sind, unterkommen. In Städten wie Hong Kong scheint es allerdings schon zu spät zu sein. Nirgendwo auf der Welt sterben derzeit so viele Menschen am Virus, wie in der ehemaligen britischen Kolonie, in der seit Jahren gegen die drohende Einverleibung durch den chinesischen Zentralstaat demonstriert wird. Die Menschen leben dort auf engsten Verhältnissen: Kommt es zu einer Ansteckung mit Omikron, greift das Virus mit überwältigender Geschwindigkeit auf weitere Personen über, wie die BBC in einem Bericht vor kurzem eindrücklich aufzeigte. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Deine Meinung

17 Kommentare