Hauptsache Erfolg: Chinesische Besitzer? Den Fans ists egal
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Hauptsache ErfolgChinesische Besitzer? Den Fans ists egal

Der englische Traditionsverein FC Liverpool droht von chinesischen Investoren gekauft zu werden. Die erwartete Empörung über den Verkauf englischen «Kulturguts» bleibt aus.

von
pre
Die Liverpool-Fans warten seit 1990 auf den 19. englischen Meistertitel. (Bild: Keystone)

Die Liverpool-Fans warten seit 1990 auf den 19. englischen Meistertitel. (Bild: Keystone)

Vor drei Jahren stiegen die beiden Amerikaner Tom Hicks und George Gillet beim FC Liverpool ein. Das erklärte Ziel: Den englischen Traditionsverein wieder an die Spitze des europäischen Fussballs zu führen. Vergebens. Seit April versuchen die unbeliebten Klubeigner den FC Liverpool wieder zu verkaufen. Interesse hat auch die chinesische Regierung angemeldet.

Kenny Huang von der «China Investment Corporation», einem Unternehmen, das für die chinesische Regierung Investitionen im Ausland tätigt, hat das bisher konkreteste Angebot für die «Reds» eingereicht. Die Chinesen würden sich im Falle einer Übernahme verplichten, sämtliche Schulden des Klubs zu tilgen, ein neues Stadion zu bauen und grosse Geldsummen für Transfers zur Verfügung zu stellen.

«Jemand muss die Schulden begleichen»

Liverpool, der traditionsreichste englische Fussballverein, in chinesischen Händen? In England scheint dies niemanden zu stören. Auf der Insel hat man sich offenbar längst daran gewöhnt, dass ihr «Kulturgut» Fussball von Ausländern als Handelsware benutzt wird. Zehn Vereine der englischen Premier League sind mittlerweile im Besitz ausländischer Investoren. Der russische Milliardär Roman Abramovich hat bereits vor Jahren den FC Chelsea übernommen, amerikanische Investoren stehen hinter Manchester United und dessen Lokalrivale Manchester City ist im Besitz eines steinreichen Scheichs aus Abu Dhabi.

Diese ausländischen Investoren haben Geld, das es auf der Insel momentan nicht gibt. Die Fans freuen sich: Schliesslich bringen die Besitzer neuen Schwung und meist grosse Namen im Schlepptau. Die Hoffnungen, an alte, erfolgreichere Zeiten anknüpfen zu können, steigen. «Jemand muss die Schulden begleichen, neue Spieler holen und dem Verein wieder eine Chance geben», ist aus Fan-Kreisen der «Reds» vermehrt zu hören. Schliesslich warten die Liverpool-Fans seit 1990 auf den 19. englischen Meistertitel. Patrick Barclay, Fussballexperte der Zeitung «The Times» ist sich sicher: «Die Mehrheit der Liverpool-Fans würde jeden nehmen, der ihrem Team hilft, besser als Manchester United abzuschneiden.»

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