Aktualisiert 15.02.2006 19:31

Chirac beordert Gift-Schiff nach Hause

Nach monatelangem Streit holt Frankreich sein mit Asbest verseuchtes Kriegsschiff «Clémenceau» aus dem Indischen Ozean zurück, wo es saniert und abgewrackt werden sollte.

Staatschef Jacques Chirac ordnete am Mittwoch die Rückkehr des Flugzeugträgers an, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte. Unmittelbar zuvor hatte der Staatsrat, Frankreichs höchstes Verwaltungsgericht, die im Westen Indiens geplante Verschrottung gestoppt.

Frankreichs einst grösstes Kriegsschiff hat eine unbekannte Menge Asbest an Bord. Nach Angaben des Präsidialamtes soll ein neues Gutachten klären, welche Stoffe es noch auf der «Clémenceau» gibt.

Um die «Clémenceau» hatte es monatelange Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Indien gegeben, aber auch zwischen Umweltschützern, Opposition und Regierung in Paris. Umweltschützer gingen mehrfach zu Protestaktionen an Bord, um den Abtransport des Schiffsrumpfes nach Indien durch den Suezkanal zu verhindern.

Derzeit befindet sich die 1961 in Betrieb genommene «Clémenceau» weit vor Indien im Indischen Ozean. Chirac wird am Sonntag zu einem dreitägigen Staatbesuch in Indien erwartet. Die Visite, bei der vor allem Wirtschaftsfragen angesprochen werden sollen, war im Vorfeld von der Angelegenheit überschattet.

Sondermüll

Das höchste Verwaltungsgericht folgte Anträgen von Greenpeace und anderen Umweltorganisationen, aber auch eines unabhängigen Regierungskommissars. Dieser hatte argumentiert, die «Clémenceau» solle als Sondermüll nach den internationalen Regelungen der Basler Konvention behandelt werden; anders als von Paris geltend gemacht gebe es für das einstige Kriegsschiff keine Ausnahme.

Der französische Regierungschef Dominique de Villepin kündigte neue Regeln für den Umgang mit Schrottschiffen an.

Bisherigen Angaben des Verteidigungsministeriums zufolge gibt es auf der «Clémenceau» nach einer ersten Teil-Sanierung im südfranzösischen Toulon noch etwa 45 Tonnen des schwer gesundheitsschädlichen Asbests; Umweltschützer gehen von mindestens zehn Mal so viel aus.

Am Montag hatte Indiens Oberster Gerichtshof dem Schiff wegen der ungeklärten Gefahren für Umwelt und Gesundheit bis auf weiteres die Einfahrt in indische Hoheitsgewässer verweigert. (sda)

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