Chirac darf nicht fliegen
Aktualisiert

Chirac darf nicht fliegen

Der französische Präsident Jacques Chirac ist nach einer knappen Woche aus dem Spital entlassen worden und soll nun sechs Wochen nicht fliegen.

Der 72-Jährige verliess das Pariser Militärhospital Val-de-Grâce am Freitagmittag lächelnd und entspannt.

Gut eine Stunde später erklärten die Ärzte, Chiracs Gesundheitszustand sei «sehr zufriedenstellend». Der Staatschef solle sich aber in den nächsten beiden Wochen möglichst schonen und sechs Wochen lang das Fliegen meiden.

Chirac sagte dagegen lediglich, die Ärzte hätten ihm geraten, «eine Woche lang vernünftig» zu sein. Dies wolle er auch versuchen, zumal er «diszipliniert» sei. Er fühle sich «in sehr guter Verfassung» und wolle sich auch wieder an die Arbeit machen.

Chiracs Pech - Villepins Glück

Nicht zum UNO-Gipfel zu reisen, wäre ein schmerzlicher Entscheid für Chirac. Der Präsident hatte monatelang auf diesen Termin hingearbeitet und wollte den UNO-Gipfel als Bühne nutzen, um für seinen Plan einer Flugticketsteuer zur Finanzierung der Entwicklungshilfe zu werben.

Wenn Chirac sich an die Empfehlung der Ärzte hält, wird Premierminister Dominique de Villepin Frankreich bei der UNO vertreten. Chiracs Vertrautem Villepin gäbe der Auftritt in New York eine weitere Chance, sich als Kandidat für die Präsidentenwahl 2007 zu profilieren.

Villepin konkurriert im Regierungslager mit Innenminister Nicolas Sarkozy um die Kandidatur. Chirac ist nach seinem Klinikaufenthalt im Rennen um die Präsidentenwahl wohl ausgeschieden.

Nachfolge-Debatte

Der französische Präsident war am Freitagabend vergangener Woche wegen Sehstörungen ins Val-de-Grâce-Hospital eingeliefert worden. Nach Angaben der Ärzte hatte Chirac ein «Gefässproblem», das einem «Bluterguss von kleinem Umfang» entspreche. Dies erkläre seine «isolierten und begrenzten Sehstörungen».

Chirac werde sich, «wie bei derartigen Fällen üblich», in regelmässigen Abständen ärztlichen Nachuntersuchungen unterziehen. Chiracs erster Spitalaufenthalt in zehn Jahren an der Staatspitze hatte in Frankreich eine Debatte um seine Fähigkeit zur Amtsführung und seine mögliche Nachfolge ausgelöst. (sda)

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