Aktualisiert 16.05.2007 05:02

Chirac sagt adieu

Nur Stunden vor der Amtsübergabe an Nicolas Sarkozy hat sich Staatspräsident Jacques Chirac in einer kurzen Fernsehansprache ein letztes Mal aus dem Élysée-Palast an sein Volk gewandt.

Er scheide mit dem Stolz aus, seine Pflicht erfüllt zu haben, sagte Chirac am Dienstagabend. Er rief seine Landsleute zur Einheit und Solidarität auf. Sarkozy wünschte er viel Glück bei dessen Aufgabe, Frankreich weiter in die Zukunft zu führen. «Ich habe grosses Vertrauen in unser Land», sagte er.

Für Chirac geht am Mittwoch eine 42-jährige politische Karriere zu Ende. Vor der Präsidentschaft war er Staatssekretär, Minister, Premierminister und lange Zeit Bürgermeister von Paris. Als Tiefpunkt seiner zwölf Jahre im höchsten Staatsamt gilt das «Non» der Franzosen zur EU-Verfassung im Frühjahr 2005. In Erinnerung wird der 74-Jährige für den Widerstand gegen den Irak-Krieg bleiben. Zu seinen Verdiensten gehört auch, dass er die französische Mitschuld an der Deportation der Juden im Zweiten Weltkrieg anerkannte.

Ab Mittwoch werde er sein Engagement auf den Dialog der Kulturen und auf die nachhaltige Entwicklung richten, sagte er in seiner Fernsehansprache.

Einige der wenigen Reformen der Ära Chirac geht auf das Konto des künftigen Regierungschefs François Fillon. Als Sozialminister setzte dieser 2003 ein Anhebung des Renteneintrittsalters durch. Fillons Ernennung zum neuen Regierungschef sei «immer sicherer» geworden, sagte der frühere Premier Jean-Pierre Raffarin am Dienstag. Fillon ist seit zwei Jahren enger Berater Sarkozys, der ihm schon vor seiner Wahl das «ideale Profil» für den Posten des Regierungschefs attestierte.

Fillon wird Nachfolger von Dominique de Villepin, der am Dienstag seinen Rücktritt einreichte. Fillon wird am Donnerstag das Hôtel Matignon, den Sitz des Premierministers, übernehmen. Bis dahin führt Villepin die Amtsgeschäfte weiter. Neben Fillon gilt Alain Juppé als sicherer Kandidat für das künftige Kabinett. Er soll zum Minister für Umwelt, Energie und Verkehr berufen und Nummer zwei der Regierung werden. Zum Aussenminister will Sarkozy den populären Sozialisten Bernard Kouchner berufen, allerdings gab es für dessen Zusage am Dienstag noch keine Bestätigung. Auch zwei Mitglieder der Zentrumspartei UDF werde Sarkozy in sein Regierungsteam berufen, wie ein Vertrauter bestätigte.

Am Mittwoch um 11.00 Uhr übernimmt Sarkozy von Chirac den Élysée-Palast. Generalsekretär des Präsidialamtes wird sein Kabinettschef während seiner Zeit als Innen- sowie Wirtschaftsminister, Claude Guéant. Nach einer kurzen Zeremonie im Palast wird Sarkozy am Mittag am Grab des unbekannten Soldaten am Triumphbogen einen Kranz niederlegen - die erste Amtshandlung des neuen Präsidenten. Noch am selben Abend will er nach Berlin fliegen und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Reform der EU sprechen.

(dapd)

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