Baustelle bei Basler Kinderspital: Chirurgen können wegen Vibration nicht operieren
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Baustelle bei Basler KinderspitalChirurgen können wegen Vibration nicht operieren

Die Bauarbeiten auf dem Schällemätteli-Areal sorgen bei den Anwohnern für Unmut. Im Unispital mussten aufgrund der Vibrationen gar mehrere Operationen unterbrochen werden.

von
rob
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Auf dem Schällemätteli-Areal baut die ETH Zürich ihr Zentrum für Biosysteme. Die Einlassung von Bohlen in den Boden sorgt derzeit für viel Lärm und vor allem Vibrationen in der Nachbarschaft.

Auf dem Schällemätteli-Areal baut die ETH Zürich ihr Zentrum für Biosysteme. Die Einlassung von Bohlen in den Boden sorgt derzeit für viel Lärm und vor allem Vibrationen in der Nachbarschaft.

Nickl & Partner Architekten
Anwohnern sowie den anliegenden Spitälern macht das zu schaffen: Mehrere Operationen mussten wegen der Erschütterungen unterbrochen werden.

Anwohnern sowie den anliegenden Spitälern macht das zu schaffen: Mehrere Operationen mussten wegen der Erschütterungen unterbrochen werden.

Keystone/Georgios Kefalas
Der Neubau der ETH Zürich steht in direkter Nachbarschaft zum Biozentrum der Universität Basel auf dem Campus Schällemätteli.

Der Neubau der ETH Zürich steht in direkter Nachbarschaft zum Biozentrum der Universität Basel auf dem Campus Schällemätteli.

Nickl & Partner Architekten

Seit 2013 baut die ETH Zürich auf dem Schällemätteli-Areal ihr neues Zentrum für Biosystems Science, das im Herbst 2018 eröffnen soll. Seit Mitte Juli rammen die Bauarbeiter mithilfe riesiger Bohrgeräte sogenannte Bohlen in die Erde. Wie die «Tageswoche» nun berichtet, sorgt dies bei den Anwohnern für Verzweiflung.

Denn die Arbeiten sorgen in der Umgebung für immense Vibrationen. Ein kleines Mädchen ist laut Druckerei-Chef Stephan Thoma deshalb gar aus seinem Bett gefallen, wie ihm Anwohner erzählten. Währenddessen wird Bratschistin Monika Clemann in der Friedensgasse das Spielen verunmöglicht: «Das Stimmgerät reagiert auf das Beben, die Anzeige flimmert nur noch», sagt sie gegenüber der Zeitung. Kundenberaterin Maria Pneva hat sich gleich einen neuen Arbeitsraum gemietet, um ihre Klienten in Ruhe empfangen zu können. «Wenn der schwarze Kran vis-à-vis loslegt, verstehe ich auf wenige Meter kein Wort mehr», so Pneva.

Spital musste Baustopps erzwingen

Aufgrund Fehleinschätzungen des Baugrundes bebte es beim Einsetzen der Bohlen mehrmals unerwartet heftig. Das sorgte in der Nachbarschaft für Reklamationen, auf diese hin sich die ETH in einem Schreiben entschuldigte. «Eine lückenlose Untersuchung des Baugrunds ist jedoch leider nie möglich und ein Restrisiko bleibt immer bestehen», sagt ETH-Sprecherin Claudia Naegeli.

Die Erschütterungen, die laut einer weiteren Anwohnerin seit Mitte August täglich zu spüren seien, werden dabei nicht nur für die privaten Haushalte immer mehr zum Problem: Das Unispital musste laut Sprecher Martin Jordan mehrere mikrochirurgische Operationen unterbrechen und einen Baustopp erzwingen, da wegen der Vibrationen nicht mehr gearbeitet werden konnte.

Und auch die Frauenklinik leidet unter dem Bau: «Bei einem Kaiserschnitt lösten die Erschütterungen Stress bei Mutter und Neugeborenem aus, sodass wir die Bauarbeiten stoppen lassen mussten», so Jordan. Insgesamt acht Mal sei dies bis jetzt vorgekommen.

ETH will Kosten für Schäden übernehmen

Nebst Anwohnern, Chirurgen und Patienten werden langsam auch die Häuser in der Umgebung mürbe. In mehreren Liegenschaften sollen Risse in den Wänden und der Fassade entstanden sein. «Die ETH ist bereit, die Kosten zu übernehmen, wenn sie auf die Erschütterungen der Baustelle zurückzuführen sind», sagt ETH-Sprecherin Claudia Naegeli. «Bei Grundstückseigentümern, die sich mit der ETH Zürich in Verbindung gesetzt haben, wurden durch externe Spezialisten Rissprotokolle aufgenommen», sagt sie weiter.

In einer Info-Veranstaltung habe die ETH auf die Vibrationen aufmerksam gemacht. Weiter unterstreicht Naegeli, dass keine Grenzwerte überschritten würden.

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