Aktualisiert 14.02.2011 09:26

Wintersport-UnfälleChirurgen operieren rund um die Uhr

Die harte Schneedecke, das schöne Wetter und die vielen Leute auf den Pisten haben die Zahl der Wintersport-Unfälle in die Höhe getrieben.

von
Ruedi Lämmler, SDA
Häufige Verletzungen sind gebrochene Handgelenke, Hirnerschütterungen, Schienbeinkopf-Trümmerbrüche.

Häufige Verletzungen sind gebrochene Handgelenke, Hirnerschütterungen, Schienbeinkopf-Trümmerbrüche.

Der Januar sei «krass» gewesen, sagte Christoph Sommer, Chef der Unfallchirurgie am Kantonsspital Graubünden in Chur gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Zahl der Unfälle habe gegenüber dem Vorjahr um schätzungsweise 30 Prozent zugenommen. Im Spital sei in drei Sälen Tag und Nacht operiert worden. «Das hatten wir noch nie», so der Chefchirurg. Es habe fast eine Art kleiner Katastrophenalarm geherrscht.

Häufige Verletzungen sind gebrochene Handgelenke, Hirnerschütterungen, Schienbeinkopf-Trümmerbrüche. Schwerer wiegen Beckenbrüche sowie innere Verletzungen von Sportlern, die sich in Fun-Parks tummeln.

Gleiches Szenario in Chur und Sion...

Mehr schwere Unfälle auch im Spitalzentrum Mittelwallis in Sitten: Daniel Fishman, Chef der Notfall-Station, sprach auf Anfrage von einem signifikanten Anstieg der Unfälle mit schlimmen Folgen. Zudem kamen im Wallis innerhalb einer Woche drei Personen in Skigebieten ums Leben, darunter ein 12-jähriges Mädchen.

Er sei beunruhigt, sagte Fishman der SDA: «Jeden Tag haben wir einen schweren Unfall. Die Leute müssen jetzt besonders vorsichtig sein und die Sicherheitsregeln beachten.» Er führt die Unfälle auf vereiste Pisten mit dünner Schneedecke zurück. Fishman selber wartet die nächsten Schneefälle ab, bevor er wieder mit seinen Kindern zum Skifahren geht.

... und in der Zentralschweiz

Schönes Wetter, viele Leute und harte Pisten: Diese Mischung hat nach Einschätzung von Jonathan Spycher, Chefarzt Orthopädie der Spitäler Frutigen, Meiringen und Interlaken, auch im Berner Oberland bei verunfallten Sportlern zu mehr schweren Verletzungen als sonst im Januar üblich geführt.

In der Zentralschweiz das gleiche Bild: Im Kantonsspital Obwalden mussten bisher mehr Wintersport-Unfälle behandelt werden als letztes Jahr. Robert Einsle, Leiter des Notfalldienstes, bestätigt die Aussagen seiner Arztkollegen: Harte Pisten mit wenig Schnee hätten ihre Tücken.

Fast 20 Prozent mehr Rega-Einsätze

Nur logisch, dass bei diesen Bedingungen die Rettungsflugwacht (Rega) von Einsatz zu Einsatz fliegt. Seit Anfang November wurden laut Mediensprecher Christian Trottmann 860 Rettungsflüge durchgeführt. Das ist eine Zunahme gegenüber der gleichen Zeitperiode des letzten Jahres um 18 Prozent.

Trottmann will nicht über die Gründe der Unfälle spekulieren und bleibt neutral. Für die Rega zähle wie eh und je die einfache Formel: «Je schöner das Wetter, desto mehr Menschen im Freien, desto höher die Zahl der Einsätze.»

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