Bezirksgericht Zürich: Chirurgin mit 3,1 Promille am Steuer erwischt
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Bezirksgericht ZürichChirurgin mit 3,1 Promille am Steuer erwischt

Bei dieser Zürcher Chirurgin sollte man sich besser nicht unters Skalpell legen: Am helllichten Tag wurde sie stark betrunken am Steuer erwischt – und nun dafür verurteilt.

von
A. Szenogrady
An der Buchholzstrasse in Zürich-Witikon wurde die Frau von der Polizei kontrolliert.

An der Buchholzstrasse in Zürich-Witikon wurde die Frau von der Polizei kontrolliert.

«Wir haben einen begründeten Verdacht, dass Sie ein chronisches Alkoholproblem aufweisen», erklärte der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann der heute 35-jährigen Ärztin am Dienstag am Bezirksgericht Zürich. Kein Wunder: Die Polizei hatte die Medizinerin am Nachmittag des 5. Dezembers 2014 an der Buchholzstrasse in Zürich-Witikon am Lenkrad ihres Autos kontrolliert. Die Unfall-Chirurgin eines Zürcher Spitals war ohne Licht unterwegs – dafür mit einer erstaunlichen Menge Alkohol im Blut.

So stellte das Institut für Rechtsmedizin die beachtliche Portion von mindestens 2,54 Promille bis 3,17 Promille Alkohol im Blut sicher. Für die Mehrheit der Bevölkerung eine kaum erträgliche Menge. Sehr erstaunlich war dabei, dass die Blaufahrerin weder bei der Polizei noch bei der anschliessenden ärztlichen Untersuchung einen auffälligen Eindruck hinterliess. Sie bestand alle Tests in einem scheinbar nüchternen Zustand. Wobei sie vor Gericht angab, dass sie sich heute an nichts mehr erinnern könne.

Zwei Flaschen Wodka getrunken

Die Beschuldigte führte aus, dass sie nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund, einem St. Galler Arzt, zwei Flaschen Wodka getrunken hatte. Dann habe sie einen Filmriss erlitten. Das Gericht ging zu ihren Gunsten davon aus, dass sie ihren Personenwagen bloss umparkiert habe, als sie von der Polizei erwischt worden ist.

Aufgrund der schweren Trunkenheit ging der Einzelrichter von einer Schuldminderung aus und setzte mit 70 Tagessätzen zu 40 Franken auf Bewährung sowie einer Busse von 440 Franken ein mildes Urteil fest. Mit dem Entscheid konnten allerdings weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung zufrieden sein. Während Erstere vergebens eine bedeutend höhere Strafe von 150 Tagessätzen zu 120 Franken sowie 2000 Franken gefordert hatte, verlangte der Verteidiger im Hauptantrag infolge vollständiger Schuldunfähigkeit einen vollen Freispruch. Die zwischenzeitlich arbeitslose Ärztin kann den Fall ans Obergericht weiterziehen.

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