Aktualisiert 18.05.2005 11:32

Chodorkowski-Urteil erst am Donnerstag

Im Strafprozess gegen den ehemaligen russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski hat das Gericht in Moskau am Mittwoch die Urteilsverkündung erneut unterbrochen.

Die Sitzung werde am Donnerstag fortgesetzt, hiess es.

Nach russischem Prozessrecht wird das Strafmass erst zum Ende der Urteilsverkündung bekannt gegeben. Die Verteidiger Chodorkowskis und seines mitangeklagten Geschäftspartners Platon Lebedew übten Kritik an der Vorgehensweise der Jusitz.

«Das ist kein Gerichtsprozess, sondern eine Abrechnung», sagte der Anwalt Juri Schmidt. Nach dem dritten Tag der Urteilsverkündung habe die zuständige Richterin Irina Kolesnikowa erst 80 von insgesamt schätzungsweise 1000 Seiten vorgelesen.

Die am dritten Tag in Folge verlesene Urteilsbegründung stimme fast Wort für Wort mit der Anklageschrift überein. Laut der Verteidigung ist damit klar, dass es für den Gründer des Ölkonzerns und Lebedew am Ende einen entsprechenden Schuldspruch geben wird.

In Moskau wurde die Vermutung geäussert, das Gericht verzögere die Verkündung des Strafmasses auf Anweisung der Staatsführung, um die Proteste gegen das Verfahren abebben zu lassen.

Die Richterin hatte bereits zu Wochenbeginn im Grundsatz die Schuld Chodorkowskis und Lebedews anhand der Beweislage bestätigt. Ihnen werden Betrug, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft. Chodorkowski sitzt seit Oktober 2003 in Untersuchungshaft. Sein Kollege Lebedew wurde bereits im Juli 2003 verhaftet.

(sda)

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