Aktualisiert 01.08.2006 15:24

Chodorkowskis Jukos für pleite erklärt

Ein russisches Gericht hat den Ökonzern Jukos für bankrott erklärt und damit den Weg für die Liquidation des bereits weitgehend zerschlagenen Unternehmens frei gemacht.

Die Entscheidung des Richters Pawel Markow setzte am Dienstag den Schlusspunkt in dem jahrelangen Drama um den Konzern, der von dem mittlerweile wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilten Michail Chodorkowski gegründet worden war.

Bereits am vergangenen Freitag hatte die Gläubigerversammlung für die Liquidation des Unternehmens gestimmt. Zuvor hatten die Gläubiger einen vorliegenden Wiederaufbauplan abgelehnt. Stattdessen wurden die Justizbehörden ersucht, einen Liquidator zu bestellen.

Die Entscheidung fiel in einer Abstimmung auf der Gläubigerversammlung, nachdem der Konkursverwalter erklärt hatte, Jukos könne innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen seine Schulden nicht zurückzahlen. Nach Informationen des zurückgetretenen Jukos-Chefs Steven Theede wird der Wert des Unternehmens mit umgerechnet 12 Milliarden Euro eingestuft, die Schulden mit 13,6 Milliarden Euro.

Theede reichte am vergangenen Donnerstag seine Demission ein mit der Begründung, der Konkursverwalter habe ohnehin schon entschieden, dass es zur Liquidation von Jukos keine Alternative gebe. Vor diesem Hintergrund sei die Gläubigerversammlung «eine Scharade». Er selbst habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Wert des Unternehmens nach dem Verkauf von Juganskneftegas zu halten oder zu steigern.

Theede bezog sich damit auf die umstrittene Zwangsversteigerung der westsibirischen Produktionseinheit im Jahr 2004. Auch sei es ihm nicht gelungen, den Börsengang des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Rosneft in London zu verhindern, erklärte Theede vorige Woche. Rosneft hatte Juganskneftegas erworben. Mit dem Börsengang werde der Verkauf von gestohlenem Eigentum zementiert, erklärte Theede.

Jukos-Gründer Chodorkowski ist wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Viele Beobachter haben von einem politisch motivierten Verfahren gesprochen. (dapd)

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