US-Verfassung: Christine O'Donnells nächster Fauxpas

Aktualisiert

US-VerfassungChristine O'Donnells nächster Fauxpas

Die Senatskandidatin der Tea Party wirft ihren Gegnern gern Missachtung der Verfassung vor. Jetzt stellt sich heraus, dass sie die Grundordnung der USA gar nicht kennt.

von
kri

Ihren Exkurs in die Hexerei mochte man als jugendliche Dummheit abtun. Ihre Opposition gegen Masturbation und Kondome als Extremposition im sozialkonservativen Mainstream. Christine O'Donnells neuester Fauxpas aber dürfte selbst wohlwollend gesinnten Wählern zu denken geben: Sie kennt die amerikanische Verfassung nicht.

In einer Debatte mit ihrem demokratischen Widersacher Chris Coons vertrat O'Donnell die Ansicht, öffentliche Schulen sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie Darwinismus und/oder Kreationismus in ihren Lehrplan aufnehmen. Coons konterte, religiöse Glaubenslehre gehöre nicht in ein Schulzimmer, sondern ausschliesslich Wissenschaft. Die Trennung zwischen Kirche und Staat sei «ein unabdingbares Prinzip» der amerikanischen Verfassung, fügte er hinzu.

O'Donnell demontiert sich selbst

Der Moderator wollte es dabei belassen und zum nächsten Thema übergehen, als ihn O'Donnell unterbrach: «Wo in der Verfassung ist die Trennung zwischen Kirche und Staat?» Gelächter im Saal (Videoposition: 2:45), der notabene voller Jurastudenten war. Coons zitierte anschliessend aus dem ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung, wo es heisst: «Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einrichtung einer Religion betrifft oder die freie Religionsausübung verbietet.» In einem Akt gewollt anmutender Selbstdemontage fragt O'Donnell ungläubig: «Das steht im ersten Zusatzartikel? Sie wollen mir sagen, dass die Trennung zwischen Kirche und Staat im ersten Zusatzartikel begründet ist?»

Der erste Zusatzartikel ist vermutlich der berühmteste Teil der amerikanischen Verfassung. Kein Geringerer als Thomas Jefferson, einer der Gründerväter, Autor der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und dritter Präsident der USA, hatte den Zusatz als «Trennwall zwischen Kirche und Staat» bezeichnet.

Ihr Wahlkampfbüro übte sich anschliessend in Schadensbegrenzung und wies darauf hin, dass die Worte «Trennung zwischen Kirche und Staat» so nirgends in der Verfassung stehen. Die Auflösungserscheinungen ihrer Kampagne dürfte O'Donnell mit dieser Episode weiter beschleunigen. In den Umfragen liegt sie bereits knapp zwanzig Prozentpunkte hinter dem Kandidaten der Demokraten Coons zurück.

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