Christlicher Politiker in Beirut getötet

Aktualisiert

Christlicher Politiker in Beirut getötet

Sechs Tage vor der Präsidentenwahl ist im Libanon erneut ein anti-syrischer Parlamentarier der Koalition von Ministerpräsident Fuad Siniora getötet worden. Mindestens 5 weitere Personen kamen beim Attentat auf Antoine Ghanem ums Leben.

Die Polizei korrigierte damit am Mittwochabend ihre Angaben, wonach neun Menschen starben, nach unten. 56 Menschen seien verletzt worden, hiess es weiter.

Der Sprengstoffanschlag auf Ghanem von der christlichen Falange- Partei geschah am Mittwochnachmittag in Beiruts östlichem Vorort Sinn al-Fil, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. In dem Wohnviertel wohnen vor allem Christen.

Die Explosion führte den Libanesen, die im vergangenen Jahr den Krieg zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und Israel durchlebt hatten, erneut vor Augen, dass ihr Land auch 17 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges weit davon entfernt ist, ein stabiler Staat zu sein.

Attentat verurteilt

Vertreter der anti-syrischen Parlamentsmehrheit warfen Damaskus vor, hinter dem Anschlag zu stehen. «Die Feinde des Libanon haben Antoine Ghanem getötet, weil sie die Präsidentschaftswahl sabotieren wollen», sagte Saad Hariri, dessen Vater Rafik im Februar 2005 bei einem Anschlag getötet worden war.

Der tödliche Anschlag wurde von den USA und vom UNO- Sicherheitsrat verurteilt. Der französische UNO-Botschafter Jean- Maurice Ripert, der derzeit den Vorsitz in dem Gremium innehat, sagte, der Anschlag sei ein weiterer Versuch, den Libanon in einer entscheidenden Phase zu destabilisieren.

Auch Syrien verurteilte das Attentat scharf und nannte es einen «kriminellen Akt». Damaskus sei die Einheit des Libanon und dessen Stabilität sehr wichtig, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Mittwochabend.

Anschlagserie gegen anti-syrische Politiker

Der 64-jährige Anwalt Ghanem ist nur einer in einer inzwischen langen Kette von anti-syrischen Politikern, die in den vergangenen drei Jahren umgebracht wurden. Der prominenteste von ihnen war der frühere Regierungschef Rafik Hariri.

Im Libanon liefern sich die pro-westliche Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora und die pro-syrische Opposition seit Monaten einen erbitterten Machtkampf. Am kommenden Dienstag soll das Parlament in Beirut zusammentreten, um einen Nachfolger für den pro-syrischen Staatschef Emile Lahoud zu wählen.

Doch auch schon vor diesem jüngsten Attentat war nicht klar, ob es tatsächlich eine Wahl geben wird, die von allen politischen Gruppen anerkannt wird. Denn nach der libanesischen Verfassung müssen bei der ersten Runde der Wahl mindestens zwei Drittel der Abgeordneten anwesend sein. Die anti-syrische Fraktion verfügt aber nur über eine knappe einfache Mehrheit.

Nur ein Oppositioneller kandidiert

Bisher kandidieren für den Posten drei Kandidaten aus dem Siniora-Lager: Die Präsidentenwitwe Naila Moawad, der Abgeordnete Butros Harb sowie der ehemalige Abgeordnete Nassib Lahoud. Aus dem pro-syrischen Lager hat sich mit General Michel Aoun bislang nur ein Kandidat gemeldet. (sda)

Deine Meinung