Erdbeben in der SVP: Christoph Blocher geniesst den Herbst
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Erdbeben in der SVPChristoph Blocher geniesst den Herbst

Ein Erdbeben hat die SVP diese Woche erschüttert, sagt der Politologe Michael Hermann. Und was macht Christoph Blocher? Er geniesst den Herbst.

von
Lukas Mäder

Die SVP greift auf alt Bundesrat Christoph Blocher zurück: Diesen Anschein erweckte die Medienberichte letztes Wochenende, als verschiedene Parteiexponenten ihn als Nachfolger für Verteidigungsminister Samuel Schmid ins Spiel brachten. Doch die Fraktion der SVP entschied anders: Im Widerstand gegen die Parteileitung verzichtete sie auf eine Namensnennung. Das sei kein Votum gegen Blocher, sagte Parteipräsident Toni Brunner. Blocher selbst sieht den Entscheid nicht als Niederlage, wie er auf Tele Blocher sagt.

SVP gespalten in Realos und Fundis

«Das war ein Erdbeben», sagt hingegen der Zürcher Politologe Michael Hermann. Die Mehrheit der Fraktion habe sich gegen die Parteileitung gestellt. «Das kommt zwar nicht völlig überraschend, aber früher als erwartet», sagt er. Bereits seit der Abwahl Blochers im letzten Dezember zeigt sich ein Bruch in der Partei: Die Realos gegen die Fundis, wie es Hermann in Anlehnung an die Grünen in Deutschland nennt. Die Realisten wollen möglichst rasch in den Bundesrat zurück, da sich nur im System etwas bewirken lässt. Die Fundamentalisten sehen den Kampf der SVP gegen den Rest. Sie wollten Blocher aufstellen, obwohl die Partei dadurch in der Oppositionen bliebe — und damit Blocher zum Märtyrer machen. Bislang dominierten die Fundis die Partei und waren auch für den Gang in die Opposition verantwortlich.

Nun aber haben sich die Realos erstmals in der Fraktion durchgesetzt. «Der Realo-Flügel kann nicht mehr marginalisiert werden», sagt Hermann. Er glaubt, dass dieser Konflikt die Partei noch lange Zeit beschäftigen wird. Denn: Die SVP-Vertreter des Realo-Flügels sind politisch auf der Parteilinie und sind auch bei Stilfragen nicht zimperlich. «Dass auch die Realos stramme SVPler sind, macht den Konflikt für die SVP problematischer als der Konflikt um die Abspaltung der BDP», sagt Hermann.

Trennung vom Übervater Blocher

Dass in der SVP ein Wandel stattfindet, sagt auch Christoph Blocher in seiner Fernsehsendung: «Wir haben eine Generationenablösung.» Wobei die Ablösung hauptsächlich seine Person betrifft. Er höre auf, wenn er nicht mehr gebraucht werde, sagt Blocher. Doch gleichzeitig erweckt er den Eindruck, als könne er noch nicht ganz loslassen.

Als Trennung vom Übervater bezeichnet Hermann den Vorgang. Er glaubt nicht, dass Blocher nochmals zurückkommt: «Weil die Partei es nicht will.» Blocher müsste wieder in den Bundesrat, wofür derzeit keine Perspektive besteht. Dies könnte sich bei den nächsten eidgenössischen Wahlen 2011 ändern, falls die SVP zulegt. «Doch dann ist Blocher bereits 71 Jahre alt», sagt Hermann. Ganz ausschliessen will er es aber doch nicht: «Sag niemals nie.»

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