Aktualisiert 02.09.2006 18:02

Christophe Darbellay neuer CVP-Präsident

Mit Christophe Darbellay hat die CVP nach Doris Leuthard einen weiteren Schnellstarter an ihre Spitze gewählt. Die Delegierten haben den 35-jährigen Walliser Nationalrat am Samstag an ihrer Versammlung in Aadorf TG mit 214 von 218 Stimmen zum Nachfolger der neuen Bundesrätin Doris Leuthard gewählt.

Der Unterwalliser wird als erst 35-Jähriger die Partei in die Wahlen 07 führen. Die frühe Berufung passt zu einem, der auch beruflich rasch Karriere machte und das Bundesratsamt nicht ausschliessen will.

Den Hobby-Alpinisten Darbellay zieht es nicht nur in der Freizeit in die Höhe, auch im Beruf und in der Politik strebt der studierte Agronom zackig nach oben. Bereits mit 29 Jahren wurde er im Jahr 2000 vom Bundesrat zum Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft ernannt, später übernahm er die Leitung der Gesellschaft der Schweizer Tierärzte. Mit nur 35 führt er nun bereits eine Bundesratspartei. Dank ihm wird die CVP nicht mehr nur die jüngste Bundesrätin stellen, sondern auch den mit Abstand jüngsten Parteipräsidenten. Der Fast-Zwei-Meter-Mann überragt die anderen auch klar an Körpergrösse.

Darbellays Wahl ist insofern ungewöhnlich, als der ETH-Absolvent noch keine drei Jahre im Nationalrat sitzt und auf Kantons- oder Gemeindeebene zuvor keine politischen Ämter bekleidet hat. Es verwundert darum nicht, dass er im Vorfeld der Wahl vereinzelt als zu jung, unerfahren und etwas ungestüm kritisiert wurde. Die Findungskommission attestierte ihm aber eine starke Persönlichkeit und hohe Sachkompetenz. Ebenfalls in die Waagschale fiel, dass es der zweisprachige Walliser mit den Medien gut kann. Er wurde deswegen bereits auch als männliche Kopie von Doris Leuthard beschrieben.

Geboren wurde Darbellay 1971 in Martigny in eine politisch bekannte Grossfamilie. Bereits sein Onkel Vital sass für die CVP im Nationalrat. Er selber begann seine politische Karriere allerdings in der christlich-sozialen Partei (CSP), für die er 1999 erfolglos für den Ständerat kandidierte. Vier Jahre später trat er dann für die CVP bei den Nationalratswahlen an und schaffte den Sprung nach Bern problemlos. Sein Flügelwechsel ist allerdings mit ein Grund, weshalb ihm bisweilen Opportunismus vorgeworfen wird.

In der Grossen Kammer politisiert Darbellay gemäss Parlamentarierrating tendenziell in der linken Hälfte seiner Fraktion, in unmittelbarer Nähe von Doris Leuthard. Er selbst bezeichnet sich als finanzpolitisch gutbürgerlich und sozial aufgeschlossen. Für seine Zeit an der CVP-Spitze hat es sich der neue Präsident zur Aufgabe gemacht, als Integrationsfigur für eine kohärente Umsetzung des Parteiprogramms zu sorgen. «Wir dürfen nie mehr auf einem Zahnbürsteli-Niveau politisieren», hat er versprochen.

Abzuwarten bleibt, wie lange Darbellay sein neues Amt erfüllen wird. Ihm werden bereits Ambitionen für eine Kandidatur in den Walliser Regierungsrat 2009 nachgesagt. (dapd)

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