Aneuploidie-Screening: Chromosomen-Test an Embryos soll möglich sein
Aktualisiert

Aneuploidie-ScreeningChromosomen-Test an Embryos soll möglich sein

Die Wissenschaftskommission des Ständerats will bei der Präimplantationsdiagnostik das so genannte Aneuploidie-Screening erlauben. Ob ihr die kleine Kammer folgt, bleibt ungewiss.

Vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter sollen Embryos auf mögliche Defekte untersucht werden können.

Vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter sollen Embryos auf mögliche Defekte untersucht werden können.

Nachdem der Nationalrat dem Aneuploidie-Screening grünes Licht gegeben hat, will die Wissenschaftskommission des Ständerats (WBK) folgen und das Verfahren ebenfalls erlauben. Ob der Antrag hingegen gutgeheissen wird, bleibt offen. Die kleine Kammer hatte die Zulassung dieser Untersuchung bei der ersten Beratung abgelehnt.

Mit dem Aneuploidie-Screening werden in vitro gezeugte Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf numerische Chromosomenstörungen untersucht. Dies erlaubt beispielsweise die Aussonderung von Embryos mit Trisomie 21 (Down-Syndrom). Solche Tests könnten alle Paare durchführen lassen, die auf künstliche Befruchtung zurückgreifen dürfen, also rund 6000 pro Jahr.

Wieviele Embryos dürfen entwickelt werden?

Der Bundesrat hatte vorgeschlagen, dass nur jene Paare auf Methoden der Präimplantationsdiagnostik (PID) zurückgreifen dürfen, bei welchen eine Veranlagung für schwere Erbkrankheiten wie etwa Zystischer Fibrose bekannt ist. Das wären 50 bis 100 pro Jahr. Dem hatte der Ständerat zugestimmt.

Wie schon bei der ersten Beratung schlägt die WBK dagegen vor, auch das Aneuploidie-Screening zuzulassen. Angesichts der grossen Zurückhaltung in der kleinen Kammer ist ungewiss, ob diese ihrer Kommission diesmal folgen wird.

Das gleiche gilt bei der Frage der maximalen Anzahl von Embryos, die ausserhalb des Körpers der Frau entwickelt werden dürfen. Der Ständerat sprach sich für drei aus, wenn das Erbgut nicht untersucht wird. Wenn das Erbgut untersucht wird, sollen es maximal acht sein.

Keine Retterbabys

Der Nationalrat hingegen beschloss, überhaupt keine Zahl im Gesetz festzuschreiben: Es sollen so viele Embryos im Reagenzglas entwickelt werden dürfen, wie für eine erfolgreiche Schwangerschaft nötig sind. Als Kompromiss schlägt die WBK nun 12 Embryos unabhängig von einer Untersuchung vor. Im Nationalrat ist dieser Antrag bereits durchgefallen.

Festhalten will die Kommission dagegen am Entscheid des Ständerats, dass Samenzellen von Samenspendern nach deren Tod nicht mehr verwendet werden dürfen. Über den Grundsatz, dass Präimplantationsdiagnostik in einem gewissen Umfang zugelassen werden soll, sind sich die Räte einig.

Beide Kammern haben es zudem abgelehnt, die Auswahl von so genannten Retterbabys zuzulassen. Mittels HLA-Typisierung können im Reagenzglas gezeugte Embryos vor der Einpflanzung in den Mutterleib darauf untersucht werden, ob sie immunkompatibel mit einem erkrankten Geschwister sind und diesem beispielsweise mit einer Blutstammzellenspende helfen könnten. (sda)

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