Aktualisiert 04.05.2018 11:13

Niederreiter und Corvi

Churer Jugendfreunde wollen die WM aufmischen

Einst stürmten sie Seite an Seite bei den Junioren des EHC Chur. Nun sind sie als Duo im Top-Sturm der Nati wieder vereint: Nino Niederreiter und Enzo Corvi.

von
Marcel Allemann, Kopenhagen
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Von Chur via Davos in die NHL: Nino Niederreiter spielt seit fünf Jahren für Minnesota.

Von Chur via Davos in die NHL: Nino Niederreiter spielt seit fünf Jahren für Minnesota.

AP/Ross D. Franklin
Auch in der Nati hinterliess Niederreiter seine Spuren, in Dänemark bestreitet der 25-Jährige bereits seine 5. WM. Er war unter anderem auch beim Silberwunder 2013 mit von der Partie.

Auch in der Nati hinterliess Niederreiter seine Spuren, in Dänemark bestreitet der 25-Jährige bereits seine 5. WM. Er war unter anderem auch beim Silberwunder 2013 mit von der Partie.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Enzo Corvi hat sich beim HC Davos zu einem der besten Schweizer Center entwickelt, magistral ist seine Spielübersicht.

Enzo Corvi hat sich beim HC Davos zu einem der besten Schweizer Center entwickelt, magistral ist seine Spielübersicht.

Gabriele Putzu

«Als ich das hörte, war die Freude riesig, es ist einfach schön», sagt Davos-Center Corvi. Auch NHL-Flügel Niederreiter, wie Corvi 25-jährig, ist hin und weg: «Herrlich! Ich freue mich extrem, nach so langer Zeit wieder mit Enzo zusammenzuspielen.»

Sie hätten damals in ihrer Heimatstadt Chur viel Zeit miteinander verbracht, erzählt Corvi. 2006 trennten sich dann die Wege der beiden Freunde. Niederreiter ging schon als Junior zu Davos, ehe er 2009 den Sprung nach Übersee wagte und schliesslich den Durchbruch in der NHL schaffte. Seit fünf Jahren spielt der Powerflügel für Minnesota Wild. Corvi dagegen blieb noch sechs weitere Jahre in Chur, beendete seine Lehre und spielte sogar in den Niederungen der 2. Liga, ehe schliesslich auch er dem Ruf des HCD folgte.

Corvi: «Nino war viel besser als ich»

Sie seien letztmals bei den Minis gemeinsam aufgelaufen, vermutet Niederreiter. Genau erinnern kann sich auch Corvi nicht mehr, «doch das ist, so denke ich, über zehn Jahre her». Er weiss jedoch noch: «Wenn wir zusammen auf dem Eis waren, wurde es immer gefährlich.» Und der technisch versierte Center gibt auch ehrlich zu: «Nino war damals das grösste Talent und viel besser als ich. Er war auch schon früh körperlich sehr gut beieinander und schoss Tore am Laufmeter.»

Corvi dagegen brauchte als Spätstarter in der National League einen Moment länger, bis er sich auf professioneller Ebene durchsetzen konnte und ganz oben ankam. Inzwischen ist jedoch auch er ein Fixstarter in der Nati. Nach seinem ersten grossen Turnier im Februar an den Olympischen Spielen in Pyeongchang folgt nun in Dänemark sein erstes WM-Turnier. «Ich bin froh, dass ich ein Teil dieser Mannschaft sein kann, und hoffe, dass wir in Kopenhagen etwas erreichen können.»

Keine Zeit sich einzuspielen, es gilt sogleich ernst

Ob dies klappen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es zwischen Niederreiter und Corvi auf der WM-Bühne genauso gut funktioniert wie damals in Chur. Sie hätten zwischenzeitlich den Kontakt ein wenig verloren, diesen aber in den letzten zwei Jahren wieder intensiviert, erzählt Corvi. «Wir telefonieren und schreiben uns regelmässig und fragen nach, was beim anderen gerade so läuft.»

Eine gute Kommunikation ist auch in diesen Tagen wichtig, denn Zeit, sich einzuspielen, bleibt ihnen nicht, los geht es am Samstagmittag (ab 12.15 Uhr im Ticker) sogleich mit dem WM-Startspiel gegen Österreich. Ergänzt wird die Linie der beiden Churer durch Lugano-Stürmer Grégory Hofmann (ebenfalls 25), dem mit 36 Treffern besten Torschützen der abgelaufenen National-League-Saison.

Auch auf Hofmann freut sich Corvi: «Wir wissen um seine Qualitäten. Ihm braucht man den Puck einfach hinzulegen, dann bucht er.» Und wenn es in Dänemark gut zwischen diesen drei geige, dann sei es durchaus eine Option, Hofmann in Chur einzubürgern, sagt Corvi scherzhaft. Da dürfte dann allerdings Hofmanns Heimatstadt La Chaux-de-Fonds etwas dagegenhaben.

Sutter und Walser sind überzählig

Niederreiter, Corvi und Hofmann stellen also die Schweizer Paradelinie. Die weiteren Sturmlinien sehen so aus: Tristan Scherwey/Gaëtan Haas/Sven Andrighetto; Simon Moser/Joël Vermin/Damien Riat; Noah Rod/Reto Schäppi/Chris Baltisberger.

Die Verteidiger-Duos bildeten im Training: Raphael Diaz/Mirco Müller; Dean Kukan/Ramon Untersander; Lukas Frick/Michael Fora; Jonas Siegenthaler/Joël Genazzi. Vorerst überzählig werden demnach Verteidiger Dave Sutter und Stürmer Samuel Walser sein, dazu wird noch ein Verteidiger kommen.

Nationaltrainer Patrick Fischer plant, mit 7 Verteidigern und 12 Stürmern ins WM-Turnier zu starten, um so vorerst drei Plätze für mögliche Nachzügler aus der NHL (Meier, Fiala, Josi) offen zu lassen. Ob gegen Österreich Reto Berra oder Leonardo Genoni im Tor steht, wird Fischer erst am Matchtag bekannt geben.

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