Aktualisiert 04.02.2010 14:06

Verhängnisvoller FehlerCIA liess Missionare abschiessen

Ein Flugzeug mit Missionaren an Bord war 2001 im peruanischen Dschungel abgeschossen worden. Ein Video belegt nun: Hinter der Operation, die sich gegen Drogenhändler richtete, steckte der US-Geheimdienst CIA.

von
pbl

Das aus einem Überwachungsflugzeug der CIA aufgenommene Video wurde vom US-Fernsehsender ABC ausgestrahlt. Der Geheimdienst hatte einen Kampfjet der peruanischen Luftwaffen angefordert, um ein Leichtflugzeug zu verfolgen. Die CIA-Leute vermuteten einen Drogentransport, doch in Wirklichkeit befand sich eine amerikanische Missionars-Familie an Bord: Jim und Veronica Bowers, ihr sechsjähriger Sohn Cory und die sieben Monate alte, adoptierte Charity. Pilotiert wurde die einmotorige Cessna von Kevin Donaldson.

Die Familie leistete Missionarsarbeit bei den Ureinwohnern und war am 20. April 2001 auf dem Rückweg von einem Einsatz in Brasilien zu ihrem Hausboot in der Nähe der peruanischen Stadt Iquitos im Amazonasgebiet. Dort florierte damals der Drogenhandel. Seit 1995 betrieben die CIA und die peruanische Luftwaffe ein gemeinsames Programm, um Drogenflugzeuge zu jagen und notfalls abzuschiessen.

Warnung auf falscher Frequenz

An jenem Tag geriet das Flugzeug der Familie Bowers ins Visier. Die im Video festgehaltene Konversation belegt, dass die CIA-Leute Bedenken äusserten, ob es sich wirklich um Drogentransporteure handelte: «Seid ihr sicher, es ist ein Bandido?», fragen sie einen Kontaktmann der peruanischen Luftwaffe. Dieser zeigte sich überzeugt. Eine Warnung per Funk an die Cessna wurde von dieser nicht gehört, da sie auf einen anderen Frequenz sendete. Darauf eröffnete der peruanische Kampfjet das Feuer.

«Sie töten mich. Sie töten uns», schrie Pilot Donaldson. Trotz Verletzungen an den Beinen gelingt ihm eine Bruchlandung in einem Piranha-verseuchten Fluss. Veronica Bowers und die kleine Charity jedoch wurden von einer Kugel tödlich getroffen. Das Video bestätigt Kritiker in ihrer Vermutung, die CIA habe bei der folgenden Untersuchung den US-Kongress belogen und ihre Rolle vertuscht. Der republikanische Abgeordnete Peter Hoekstra, der die Bowers-Familie vertritt, sprach gegenüber ABC von einer «unakzeptablen Haltung».

CIA weist Verantwortung von sich

Die CIA erklärte in einer Mitteilung, dass gegen 16 Mitarbeiter «disziplinarische Massnahmen» ergriffen werden sollten, darunter auch gegen die für die Drogenbekämpfung verantwortliche Frau. Kritiker wenden jedoch ein, dass einige der Mitarbeiter nicht mehr für den Geheimdienst tätig seien und die Massnahme nicht mehr sei als ein Verweis. Im Übrigen versuchte die CIA, die Schuld den Peruanern zuzuschieben: «CIA-Leute haben kein Flugzeug abgeschossen.» Der Geheimdienst habe in dieser «tragischen Episode» professionell und durchdacht gehandelt.

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