Aktualisiert 11.02.2020 18:52

Untersuchung eingeleitetSpionageaffäre erschüttert die Schweiz

Die CIA und der BND haben via eine Schweizer Tarnfirma über 100 Länder hinters Licht geführt. Sie verkauften diesen manipulierte Chiffriergeräte, um sie abzuhören.

von
vro
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Mithilfe der Zuger Firma Crypto AG sollen die CIA und der BND jahrzehntelang Staaten ausspioniert haben.

Mithilfe der Zuger Firma Crypto AG sollen die CIA und der BND jahrzehntelang Staaten ausspioniert haben.

Keystone/urs Flueeler
Die Firma wurde 1970 von den beiden Geheimdiensten zu gleichen Teilen gekauft.

Die Firma wurde 1970 von den beiden Geheimdiensten zu gleichen Teilen gekauft.

AP/Carolyn Kaster
Der BND stieg jedoch 1993 wieder aus.

Der BND stieg jedoch 1993 wieder aus.

AP/Markus Schreiber

Die CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) sollen über Jahrzehnte hinweg über 100 Staaten abgehört haben. Das zeigen Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau», des ZDF und der «Washington Post». Hilfe sollen sie dabei von der Zuger Firma Crypto AG erhalten haben: Die Spionage war dank derer manipulierter Chiffriergeräte möglich.

So hätten CIA und BND Hunderttausende geheime Nachrichten zwischen Regierungsstellen, Behörden, Botschaften oder militärischen Stellen abfangen können. «Irgendwann merkten mein Vorgesetzter und ich, dass die Geräte eine Hintertür haben», berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber der «Rundschau».

Mit Informationen wurden US-Geiseln befreit

Bereits 1970 hätten der BND und die CIA die Firma zu gleichen Teilen gekauft. Laut dem ehemaligen Mitarbeiter wurden jeweils zwei Formen der Verschlüsselung in die Geräte eingebaut. Nur wenige Länder – darunter die Schweiz – hätten jene Ausführung mit der sicheren Verschlüsselung erhalten, die anderen bekamen eine unsichere.

Zu den ausspionierten Staaten zählen etwa Ägypten, Iran, Libyen und Argentinien, wie die Redaktion Tamedia schreibt. Von der Abhöraktion hatten sie keine Ahnung. Die gesammelten Informationen dienten offenbar dazu, US-Geiseln zu befreien oder Terroranschläge von Libyern gegen die USA aufzuklären. Im Falklandkrieg seien die Informationen von Argentinien an Grossbritannien weitergeleitet worden.

Schweizer Beamte wussten davon

Laut der SRF-Sendung dauerte die Spionage-Operation bis mindestens 2018 an. Der BND sei jedoch 1993 ausgestiegen, schreibt die Redaktion Tamedia.

Gemäss der «Rundschau» hatten «hohe Beamte» des schweizerischen militärischen Nachrichtendienstes schon in den frühen 90ern «generell Kenntnis von der Rolle Deutschlands und der USA im Zusammenhang mit der Crypto AG». Auch «Schlüsselpersonen in der Regierung» hätten davon gewusst.

Der Bundesrat leitete nun eine Untersuchung ein. Die Generalausfuhrbewilligung für Crypto-Geräte wurde vom Wirtschaftsdepartement sistiert, bis die offenen Fragen geklärt sind. Bis Ende Juni soll der ehemalige Bundesrichter Niklaus Oberholzer dem VBS Bericht erstatten.

Die Crypto AG wurde inzwischen aufgelöst. Ihre Nachfolgefirmen betonen, dass sie nichts mit der Crypto AG zu tun haben und sicher keine Beziehung zu amerikanischen oder deutschen Geheimdiensten haben. CIA und BND haben die Anfragen der Redaktion Tamedia bisher nicht beantwortet.

So funktioniert die Datenübertragung:

Um verschlüsselte Daten zu verschicken braucht es jeweils ein Chiffrier- und ein Dechiffriergerät. Damit man untereinander kommunizieren kann, brauchen Sender und Empfänger das gleiche «Passwort». Im vorliegenden Fall sollen gemäss Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau», des ZDF und der «Washington Post» aber 100 Staaten von der Crypto AG in Zug mit «gebrochenen» Geräten beliefert worden sein. «Das bedeutet, dass eigentlich kein Passwort benötigt wurde, um die Konversation zu entschlüsseln», erklärt ETH-Professor Dennis Hofheinz. Die betroffenen Länder hatten davon aber keine Ahnung. So sei es der CIA möglich gewesen, die vermeintlich geheimen und codierten Botschaften zu entschlüsseln und mitzuhören/lesen.

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